Die deutsche Ski-Szene hat eine neue Heldin. Bei den Olympischen Winterspielen in Mailand/Cortina d’Ampezzo hat Emma Aicher sensationell Silber in der Abfahrt gewonnen. Die erst 20-jährige Newcomerin sorgte damit für die erste deutsche Medaille bei diesen Spielen – und das völlig unerwartet.
Als Aicher mit Startnummer 13 auf die Strecke ging, rechnete kaum jemand mit ihr. Die junge Deutsche, die bislang hauptsächlich im Slalom und in der Kombination Erfolge feierte, hatte vor diesem Rennen noch nie einen Weltcup-Podestplatz in der Abfahrt erreicht. Doch auf der anspruchsvollen Olimpia delle Tofane-Piste zeigte sie eine technisch brillante und mutige Fahrt.
«Das ist einfach unglaublich. Ich kann es selbst noch nicht fassen», stammelte Aicher im Zielraum, während ihr die Tränen in die Augen stiegen. «Ich wollte einfach mein Bestes geben und hatte nichts zu verlieren.» Nur die Schweizerin Lara Gut-Behrami, die absolute Topfavoritin, war schneller und holte Gold.
Besonders beeindruckend: Aicher, die mit schwedischen und deutschen Wurzeln aufwuchs, trotzte dem enormen Druck auf der Olympia-Bühne. Während etablierte Stars wie Sofia Goggia oder Mikaela Shiffrin patzten, behielt sie die Nerven. «Emma hat heute gezeigt, dass sie ein unglaubliches Talent für schnelle Disziplinen hat«, lobte DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier. «Dieses Rennen wird ihre Karriere verändern.»
Der Erfolg kommt für das deutsche Ski-Team zur richtigen Zeit. Nach dem Rücktritt von Viktoria Rebensburg fehlten die großen Erfolge, nun könnte mit Aicher eine neue Ära beginnen. Ihr Silber-Coup erinnert an den Überraschungserfolg von Maria Höfl-Riesch, die 2010 in Vancouver ebenfalls unverhofft zur Olympiasiegerin wurde.
In ihrer Heimatgemeinde Engelberg feierten Fans bereits spontan in einer Après-Ski-Bar. «Hier ist die Hölle los», berichtete ihr Jugendtrainer per Videoanruf. Emma selbst dürfte erstmal eine ruhige Kugel schieben. Wie sie mit einem Augenzwinkern verriet: «Erst mal eine heiße Schokolade, dann sehen wir weiter.«