Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst in Baden-Württemberg gehen in die nächste Runde. Die Gewerkschaft Ver.di hat für heute und morgen erneut tausende Beschäftigte zum Ausstand aufgerufen. In Stuttgart versammelten sich bereits am frühen Morgen über 500 Mitarbeiter aus Verwaltung, Kitas und städtischen Kliniken vor dem Rathaus. Nach Angaben der Gewerkschaft beteiligen sich landesweit etwa 8.000 Menschen an den Protesten.
«Wir stehen hier, weil die Arbeitgeber uns keine andere Wahl lassen», sagt Krankenpfleger Thomas Müller vom Klinikum Stuttgart. Die Beschäftigten fordern 10,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens jedoch 500 Euro monatlich mehr. Die Arbeitgeberseite bietet bislang eine Erhöhung von 5 Prozent über 27 Monate an – zu wenig, finden die Gewerkschaften.
In Freiburg, Karlsruhe und Mannheim kommt es zu erheblichen Einschränkungen im Nahverkehr. Viele Kitas bleiben geschlossen, in kommunalen Kliniken werden nur Notfälle behandelt. Auch Bürgerämter und Zulassungsstellen sind betroffen.
Bei meinen Gesprächen mit Streikenden fällt mir auf: Die Stimmung ist angespannt, aber entschlossen. Eine junge Erzieherin aus Karlsruhe erzählt mir mit Tränen in den Augen: «Ich liebe meinen Beruf, aber ich kann mir das Leben in der Stadt kaum noch leisten.»
Der Kommunale Arbeitgeberverband kritisiert das Vorgehen. Hauptgeschäftsführerin Sylvia Becker spricht von «unverhältnismäßigen Maßnahmen» und verweist auf die angespannte Haushaltslage vieler Kommunen. Die dritte Verhandlungsrunde ist für den 21. Februar in Mannheim angesetzt.
Die Warnstreiks treffen vor allem Familien mit kleinen Kindern und Menschen ohne Auto hart. Doch die Solidarität in der Bevölkerung scheint zu wachsen. In einer Umfrage des SWR gaben 58 Prozent der Befragten an, Verständnis für die Forderungen zu haben. Die Frage bleibt: Wieviel ist uns gute öffentliche Daseinsvorsorge wert?