Die Deutsche Bahn bereitet sich auf massive Streckensperrungen im Rhein-Main-Gebiet vor. Ab dem 14. Juni wird die wichtige Nord-Süd-Verbindung durch Frankfurt für zwei Wochen komplett gesperrt. Betroffen sind nicht nur Fernzüge, sondern auch der Regionalverkehr und die S-Bahnen. Nach Angaben der Bahn müssen täglich rund 300.000 Pendler mit erheblichen Einschränkungen rechnen.
Die Sperrung betrifft den Frankfurter Hauptbahnhof und die Strecken nach Fulda, Kassel und Hanau. «Wir müssen dringende Bauarbeiten an Weichen und Signalen durchführen», erklärt Bahnsprecherin Sabine Weber. «Diese Maßnahmen sind unvermeidbar, um die Betriebssicherheit zu gewährleisten.» Besonders bitter: Die Arbeiten fallen mitten in die Fußball-Europameisterschaft, während der ohnehin mit erhöhtem Reiseaufkommen zu rechnen ist.
Für Pendler bedeutet das: Umsteigen auf Ersatzbusse oder alternative Routen planen. Die S-Bahnen S1, S2, S8 und S9 fallen teilweise komplett aus oder enden vorzeitig. Zwischen Frankfurt und Hanau werden Busse eingesetzt, die allerdings deutlich länger unterwegs sind. Bei meinem Ortstermin gestern am Frankfurter Hauptbahnhof herrschte bei vielen Reisenden noch Unklarheit. «Ich pendle täglich von Bad Homburg nach Hanau», erzählt Krankenpfleger Thomas Müller. «Jetzt muss ich jeden Tag eine Stunde früher los.»
Die Bahn hat ein Ersatzkonzept erarbeitet, das aber nach Ansicht vieler Pendlervertreter nicht ausreicht. Fernzüge werden großräumig umgeleitet oder durch Busse ersetzt. Für Berufspendler empfiehlt die Bahn, wenn möglich auf Homeoffice umzustellen oder Fahrgemeinschaften zu bilden. Nach meiner Beobachtung haben viele Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet bereits reagiert und ihren Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten angeboten.
Die Sperrung wirft ein Schlaglicht auf den Sanierungsstau bei der Deutschen Bahn. Während die Bauarbeiten notwendig sind, fragt man sich: Hätte man das nicht besser planen können? Gerade in Zeiten, in denen wir mehr Menschen zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel bewegen wollen.