In der Münchner Innenstadt stehen Handwerksbetriebe vor einem wachsenden Problem: Sie finden kaum noch Parkplätze für ihre Einsatzfahrzeuge. Die Parkplatznot führt inzwischen dazu, dass mehr als die Hälfte der Handwerker Aufträge in der Innenstadt ablehnt, wie eine aktuelle Umfrage der Handwerkskammer zeigt. Von 756 befragten Betrieben gaben 52 Prozent an, Kunden in der Innenstadt regelmäßig abzuweisen.
Als ich gestern mit Simon Fischer, Schreinermeister aus Sendling, durch die Ludwigvorstadt fuhr, zeigte er mir das Problem hautnah: «Wir kreisen oft 30 Minuten, um einen Parkplatz zu finden. Zeit, die niemand bezahlt.» Sein Transporter voll mit Werkzeug und Material könne nicht einfach weit entfernt abgestellt werden. Die Folge: «Kunden innerhalb des Mittleren Rings nehmen wir nur noch an, wenn sie einen Stellplatz garantieren können.»
Die Handwerkskammer für München und Oberbayern fordert nun Lösungen. «Handwerker sind systemrelevant. Wenn niemand mehr kommt, um eine defekte Heizung zu reparieren oder einen Wasserrohrbruch zu beheben, haben wir ein gesellschaftliches Problem», erklärt Kammerpräsident Franz Xaver Peteranderl. Er schlägt spezielle Handwerkerparkzonen und vereinfachte Ausnahmegenehmigungen vor.
Auch die wirtschaftlichen Folgen sind spürbar. Laut Umfrage verlieren Handwerksbetriebe durchschnittlich 3.200 Euro Umsatz pro Jahr durch Parkplatzsuche und Strafzettel. Die Stadt München plant nun, bis Ende des Jahres einen «Runden Tisch Handwerkerparkplätze» einzurichten. Die Frage bleibt: Reicht das, um Münchens Handwerker zurück in die Innenstadt zu bringen?