In Dresden wächst ein berührendes Projekt gegen die Einsamkeit: Die „Mutpost»-Plattform verbindet Menschen in seelischen Krisen mit handgeschriebenen Briefen. Gegründet wurde sie von zwei Studentinnen, die selbst schwere Zeiten durchlebt haben. Die Idee: Anonyme Briefe als Lichtblick für Menschen, die mit Suizidgedanken kämpfen oder seelisch belastet sind.
Vor drei Jahren startete das Projekt mit gerade mal fünf Briefeschreiber:innen. Heute sind es über 90 Ehrenamtliche, die regelmäßig zur Feder greifen. «Wir erreichen mit unseren Briefen mittlerweile über 170 Menschen in Not», sagt Mitgründerin Sophie Bornemann. Die 28-Jährige weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig ein Zeichen der Zuwendung sein kann.
Die Briefe sind mehr als nur Worte auf Papier. «Es geht um echte Anteilnahme, ohne zu bewerten oder zu diagnostizieren», erklärt Psychologin Dr. Maria Weber vom Dresdner Gesundheitsamt. Tatsächlich zeigen erste Ergebnisse einer Begleitstudie, dass die persönlichen Zeilen Einsamkeitsgefühle lindern können.
Bei meinem Besuch in den kleinen Räumen der Initiative in der Dresdner Neustadt treffe ich auf Menschen, die mit Herzblut dabei sind. Eine Briefeschreiberin, die anonym bleiben möchte, erzählt mir: «Manchmal sitze ich abends am Küchentisch und denke lange nach, was ich schreiben kann. Es ist, als würde ich einem Freund schreiben, den ich nie getroffen habe.»
Die Idee findet auch über Sachsen hinaus Anklang. In München und Hamburg haben sich ähnliche Initiativen gebildet. Projekte wie diese zeigen, dass im digitalen Zeitalter gerade das Handgeschriebene eine besondere Kraft entfalten kann. Denn zwischen den Zeilen steht die wichtigste Botschaft: Du bist nicht allein.