Die Kirchentüren öffnen sich nach langer Durststrecke wieder: Die Pfarrkirche St. Martin in München-Giesing empfängt seit gestern wieder Gläubige und Besucher. Nach fast drei Jahren Sanierungsarbeiten und Kosten von rund 5,8 Millionen Euro erstrahlt das Gotteshaus in neuem Glanz. «Es fühlt sich an wie nach Hause kommen», sagte eine 73-jährige Anwohnerin bei der ersten Messe nach der Wiedereröffnung.
Die 1913 geweihte Kirche musste dringend renoviert werden. Feuchtigkeitsschäden hatten dem neoromanischen Bau schwer zugesetzt. «Die Substanz war in Teilen so marode, dass ohne Sanierung langfristig die Bausubstanz gefährdet gewesen wäre», erklärt Pfarrer Christian Schäfer. Bei den Arbeiten wurden nicht nur das undichte Dach erneuert und die Wände trockengelegt, sondern auch die historische Orgel generalüberholt und die charakteristischen Rundbogenfenster restauriert.
Besonders beeindruckend ist der wiederentdeckte Farbton des Innenraums. Restauratoren fanden unter späteren Farbschichten die ursprüngliche Raumgestaltung und konnten sie rekonstruieren. «Das warme Ockergelb entspricht dem Originalzustand von 1913 und schafft eine ganz besondere Atmosphäre», sagt Kunsthistorikerin Dr. Monika Weber vom Erzbischöflichen Ordinariat.
Die Giesinger haben ihre Kirche während der Bauzeit schmerzlich vermisst. Gottesdienste fanden übergangsweise im Pfarrsaal statt. «Das war wie Kirche im Exil», erzählt Gemeindemitglied Helmut Brandl. Ich erinnere mich an ähnliche Gefühle bei den Menschen, als vor Jahren die Münchner Frauenkirche saniert wurde – diese Mischung aus Ungeduld und Vorfreude auf das Wiedersehen mit dem vertrauten Ort.
Die Sanierung wurde hauptsächlich durch Mittel der Erzdiözese München und Freising finanziert, aber auch durch Spenden der Gemeindemitglieder. Insgesamt kamen rund 350.000 Euro aus privaten Zuwendungen zusammen – ein Zeichen für die starke Verbundenheit der Giesinger mit ihrer Kirche.
Zur Feier der Wiedereröffnung ist ein Festprogramm mit Konzerten und Führungen geplant. Die Gemeinde hofft, dass St. Martin auch künftig ein spiritueller Ankerpunkt im Viertel bleibt, trotz rückläufiger Kirchenbesucherzahlen. Wird dieses frisch renovierte Gotteshaus neue Impulse für das Gemeindeleben setzen können? Die nächsten Monate werden es zeigen.