Der Herbst in München wird zum Zeichen der Hoffnung. Mehr als 25.000 Demonstranten versammelten sich gestern auf dem Marienplatz, um ihre Solidarität mit der iranischen Opposition zu zeigen. «Frau, Leben, Freiheit» – diese drei Worte hallten durch die Straßen der bayerischen Landeshauptstadt. Die Protestwelle folgt auf neue Berichte über Menschenrechtsverletzungen im Iran, wo das Regime in den letzten Wochen die Unterdrückung verschärft hat.
Was vor zwei Jahren mit dem Tod der jungen Jina Mahsa Amini begann, hat sich zu einer globalen Bewegung entwickelt. Noch immer bewegt mich die Erinnerung an meinen Besuch in Frankfurt im Herbst 2022, als ich mit iranischen Familien sprach, deren Angehörige verhaftet worden waren. Ihre Geschichten haben mich nie losgelassen.
«Das iranische Volk will keinen Dialog mehr mit diesem Regime, es fordert einen kompletten Systemwechsel», erklärt Mina Ahadi vom Internationalen Komitee gegen die Todesstrafe. Die in München lebende Aktivistin musste selbst aus dem Iran fliehen und verlor Familienmitglieder durch das Regime.
Die Zahlen sind erschreckend: Laut Amnesty International wurden allein in diesem Jahr mindestens 153 Menschen im Iran hingerichtet. Unter den Demonstranten in München waren auch viele Deutsche. «Es ist unsere Pflicht, diese Stimmen zu verstärken», sagt Thomas Müller, ein 52-jähriger Lehrer aus München.
Was mich besonders berührt: Die Generationen übergreifende Solidarität. Grauhaarige Exil-Iraner stehen neben Studierenden, die im Deutschland geboren wurden, aber ihre Wurzeln nicht vergessen haben.
Die Demonstration in München ist Teil einer europaweiten Protestwelle. Der internationale Druck auf Teheran wächst, während die deutsche Außenpolitik in der Kritik steht, zu zögerlich zu reagieren. Doch eines steht fest: Die Stimmen für Veränderung werden nicht verstummen – weder hier in Deutschland noch im Iran selbst.