Die S-Bahn rattert über die alte Brücke, während sich unter mir der Autoverkehr staut. Ein vertrauter Anblick an der Schönhauser Allee, der sich bald ändern wird. Ab dem 18. Juli wird die Brücke, die seit Jahrzehnten den S-Bahnhof Schönhauser Allee mit dem U-Bahnhof verbindet, komplett gesperrt. Eine der wichtigsten Verkehrsadern im Prenzlauer Berg wird für den Neubau tagelang lahmgelegt.
„Die bestehende Brücke ist nach rund 60 Jahren am Ende ihrer Lebensdauer angekommen», erklärt Petra Schmidt von der Senatsverkehrsverwaltung. Risse im Beton, Korrosionsschäden an der Stahlbewehrung – die Liste der Mängel ist lang. Was ich bei meinen Recherchen vor Ort sehen konnte, bestätigt den dringenden Handlungsbedarf. Besonders nach Regenfällen bilden sich unter der Brücke bedenkliche Wasserflecken.
Ab dem 18. Juli wird der Verkehr für zehn Tage umgeleitet. Die Bauarbeiten betreffen sowohl den Auto- als auch den Radverkehr. Der neue Brückenbau ist Teil eines größeren Sanierungsplans für Berlins marode Infrastruktur. Laut Senatsverwaltung sind etwa 35 Prozent aller Brücken in Berlin sanierungsbedürftig – ein Wert, der mich während meiner zwanzigjährigen Berichterstattung über Infrastrukturprojekte immer wieder erschreckt.
Anwohner Stefan Müller, den ich an der Bushaltestelle treffe, seufzt: „Natürlich ist die Sperrung ärgerlich, aber wenn ich die Risse in der Brücke sehe, verstehe ich, dass es nicht anders geht.»
Die Bauarbeiten sind der Preis für Sicherheit in einer Stadt, deren Infrastruktur vielerorts in die Jahre gekommen ist. Während die politische Debatte oft um Prestigeprojekte kreist, sind es diese unsichtbaren Sanierungen, die den Alltag der Berliner langfristig sichern. Eine Investition, die sich erst bemerkbar macht, wenn sie fehlt – wie wir ab dem 18. Juli alle spüren werden.