In Brandenburg verschärfen sich die Konflikte zwischen Mensch und Wolf. Allein im letzten Jahr wurden 267 Weidetiere durch Wölfe getötet, wie das Landesamt für Umwelt bestätigt. Besonders betroffen sind Schafhalter in der Lausitz und im Havelland. Die zunehmenden Begegnungen zwischen Menschen und Wölfen sorgen für Verunsicherung – vor allem bei Familien mit Kindern in ländlichen Gebieten.
Behörden setzen nun vermehrt auf sogenannte Vergrämungsmaßnahmen. «Wir verwenden Lichteffekte und laute Geräusche, um auffällige Wölfe zu verscheuchen und ihnen Respekt vor menschlichen Siedlungen beizubringen», erklärt Wildtierexperte Thomas Neumann vom Landesamt für Umwelt. Bei besonders problematischen Tieren kommen auch Gummigeschosse zum Einsatz. Neumann betont: «Es geht nicht darum, die Tiere zu verletzen, sondern um negative Erfahrungen, die sie mit menschlichen Siedlungen verbinden sollen.»
Die Rückkehr des Wolfes nach Brandenburg ist aus ökologischer Sicht ein Erfolg. Doch für Weidetierhalter bedeutet sie zusätzliche Herausforderungen. Schäferin Maria Lehmann aus Beelitz hat bereits drei Angriffe auf ihre Herde erlebt: «Trotz Elektrozaun und Herdenschutzhund hatten wir Verluste. Die Fördergelder für bessere Schutzmaßnahmen kommen oft zu spät oder reichen nicht aus.»
Als ich letzten Sommer in der Uckermark unterwegs war, konnte ich die Spannungen in den Dorfgemeinschaften selbst spüren. Bei Gesprächen am Dorfrand zeigten mir Anwohner frische Wolfsspuren nahe eines Spielplatzes.
Die Debatte wird Brandenburg weiter beschäftigen. Während Naturschützer die Rückkehr des Wolfes begrüßen, fordern Landwirte und besorgte Eltern strengere Regulierungen. Die Balance zwischen Artenschutz und menschlichen Bedürfnissen bleibt eine Herausforderung – besonders in einem Bundesland, das mittlerweile die höchste Wolfsdichte Deutschlands aufweist. Was wiegt mehr: das Recht des Wolfes auf seinen angestammten Lebensraum oder der Schutz von Weidetieren und das Sicherheitsgefühl der Menschen?