Während der Kölner Zugleiter Holger Kirsch mit wachsamem Blick über die Vorbereitungen zum Rosenmontagszug wacht, spiegelt sein Gesicht die Mischung aus Anspannung und Vorfreude wider. «Wir sind komplett im Zeitplan», versichert er mir bei unserem Gespräch in der Wagenbauhalle in Köln-Bickendorf, wo die letzten Handgriffe an den Persiflagewagen erfolgen.
Der 56-Jährige trägt seit 2017 die Verantwortung für den größten Karnevalszug Deutschlands. Mit seinen etwa 12.000 Teilnehmern, 120 Wagen und einer Länge von 8 Kilometern ist der «Zoch» ein logistisches Meisterwerk. «Die Vorbereitungen laufen das ganze Jahr», erklärt Kirsch. «Nach dem Zug ist vor dem Zug – wir starten die Planungen für 2025 bereits am Aschermittwoch.»
Die Herausforderungen sind vielfältig: Von Sicherheitskonzepten über Wagenbau bis zur minutiösen Zugaufstellung muss alles stimmen. Besonders die Wagenmotive, die aktuelle politische Ereignisse persiflieren, entstehen oft in letzter Minute. «Manchmal ändern wir noch wenige Tage vorher ein Motiv, wenn die Weltlage es erfordert», sagt Kirsch.
Die Bedeutung des Karnevals für Köln kann man kaum überschätzen. In meinen fast zwei Jahrzehnten als Journalistin habe ich viele Großereignisse begleitet, aber die emotionale Bindung der Kölner zu ihrem «Zoch» ist einzigartig. Wie Kirsch betont: «Der Rosenmontagszug gehört zur DNA dieser Stadt.»
Was am Rosenmontag ab 10 Uhr durch Köln rollt, ist mehr als nur eine Party. Es ist gelebte Tradition, kritischer Kommentar und gesellschaftlicher Kitt zugleich. Für Zugleiter Kirsch und sein Team geht es jetzt in die heiße Phase – und für die Jecken um die Frage: Hält das Wetter? Die Wetterprognose sieht zumindest besser aus als in den vergangenen Jahren.