In Bayern steht für Reisende, die mit dem Zug zwischen München und dem Allgäu unterwegs sein wollen, eine Geduldsprobe bevor. Seit heute und noch bis Anfang Dezember ist die wichtige Bahnverbindung stark eingeschränkt. Der Grund: umfangreiche Bauarbeiten an Gleisen und Weichen. Betroffen sind tausende Pendler, Urlauber und Wochenendausflügler, die normalerweise die Strecke nutzen. Laut Bahn müssen etwa 100.000 Fahrgäste pro Woche mit Änderungen rechnen.
Die Bahn setzt nun auf ein umfassendes Ersatzkonzept. «Wir haben für die betroffene Strecke einen Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet, der im 30-Minuten-Takt verkehrt», erklärt Bahnsprecherin Claudia Mertens. Doch die Fahrzeiten verlängern sich erheblich – teilweise um mehr als eine Stunde. Zwischen München und Kempten sind statt der üblichen 90 Minuten nun zweieinhalb Stunden einzuplanen.
Besonders hart trifft es die Pendler aus dem Voralpenland. Monika Weber aus Kaufbeuren fährt seit 15 Jahren täglich nach München zur Arbeit: «Das bedeutet jetzt für mich eine Stunde früher aufstehen und abends später heimkommen. Das zerrt an den Nerven.»
In meinen fast zwanzig Jahren Berichterstattung habe ich viele Baustellen der Bahn begleitet, aber selten eine mit solch weitreichenden Auswirkungen auf eine ganze Region. In Gesprächen mit Anwohnern in Buchloe spürt man die Frustration, aber auch ein gewisses Verständnis für die Notwendigkeit der Arbeiten.
Die Bauarbeiten seien laut Bahn «alternativlos«, um die Zuverlässigkeit der Strecke langfristig zu sichern. Für die Tourismusbranche im Allgäu kommt die Sperrung zu einer ungünstigen Zeit – kurz vor dem Start der Wintersaison. Wie sich die Einschränkungen auf Besucherzahlen auswirken werden, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch sicher: Die Geduld der bayerischen Bahnkunden wird einmal mehr auf eine harte Probe gestellt.