Wenn in Deutschland die Metallindustrie schwächelt, geht es um mehr als Zahlen. Es geht um Familien, um ganze Regionen. Aktuell sind etwa 150.000 Arbeitsplätze in der Branche bedroht – das entspricht fast der Einwohnerzahl von Heidelberg. Die Krise trifft den Kern unserer Wirtschaft.
Ich erinnere mich an Gespräche mit Betriebsräten in Nordrhein-Westfalen vor ein paar Wochen. Die Sorge war spürbar. Die Metallindustrie beschäftigt bundesweit rund 3,7 Millionen Menschen. Sie produziert Bauteile für Autos, Maschinen, Flugzeuge. Ohne sie steht vieles still. Doch jetzt kämpft die Branche mit mehreren Problemen gleichzeitig.
Die Energiekosten sind enorm gestiegen. Viele Betriebe zahlen das Doppelte im Vergleich zu 2020. Gleichzeitig schwächelt die Nachfrage aus China und anderen wichtigen Märkten. „Wir haben Auftragsrückgänge von bis zu 30 Prozent», sagt Stefan Winkler, Geschäftsführer eines mittelständischen Zulieferers aus Baden-Württemberg. Seine Worte stehen für viele.
Hinzu kommt der Strukturwandel in der Autoindustrie. Elektromotoren brauchen weniger Teile als Verbrenner. Das bedeutet: Weniger Arbeit für Zulieferer. Mehr Informationen dazu bietet das Statistische Bundesamt.
Besonders hart trifft es kleine und mittlere Unternehmen. Sie haben oft nicht die Reserven, um längere Durststrecken zu überstehen. In Regionen wie dem Sauerland oder Thüringen hängen ganze Ortschaften an diesen Betrieben.
Die IG Metall fordert staatliche Unterstützung und Investitionen in Zukunftstechnologien. „Wir brauchen eine aktive Industriepolitik, sonst verlieren wir das Rückgrat unserer Wirtschaft», betont Gewerkschafterin Christiane Benner.
Die Metallindustrie ist mehr als ein Wirtschaftszweig. Sie ist Teil unserer Identität. Wenn hier Jobs wegfallen, verlieren Menschen nicht nur Einkommen. Sie verlieren Perspektiven. Die Frage ist: Wollen wir zusehen oder handeln? Die Zeit drängt.