In Essen ist ein 16-Jähriger wegen Mordes an seiner Mutter und seinem kleinen Bruder verurteilt worden. Das Landgericht verhängte die Höchststrafe für Jugendliche: zehn Jahre Haft. Der Fall erschüttert nicht nur die Stadt, sondern ganz Nordrhein-Westfalen.
Die Tat geschah im vergangenen Jahr in einer Wohnung im Essener Norden. Der Jugendliche tötete seine 40-jährige Mutter und seinen dreijährigen Bruder. Beide wurden erstochen. Der Tatablauf war grausam, die Details belasten selbst erfahrene Ermittler.
Vor Gericht schwieg der Angeklagte lange. Seine Verteidiger sprachen von einer psychischen Ausnahmesituation. Die Staatsanwaltschaft sah das anders. „Hier handelt es sich um eine besonders verwerfliche Tat», sagte die Anklägerin in ihrem Plädoyer. Das Gericht folgte dieser Einschätzung.
Ich habe in meiner Laufbahn viele Prozesse begleitet. Aber wenn Kinder zu Tätern werden, bleibt man als Beobachterin nicht unbetroffen. Die Frage nach dem Warum schwebt im Gerichtssaal wie ein schwerer Schatten.
Experten fordern seit Jahren mehr Hilfsangebote für Familien in Krisensituationen. Das Jugendamt Essen hatte die Familie nicht als Hochrisikofall eingestuft. Ob mehr Aufmerksamkeit hätte helfen können, bleibt unklar. Mehr Informationen zur Präventionsarbeit gibt es beim Deutschen Kinderschutzbund.
Für die Angehörigen bedeutet das Urteil keine Erleichterung. Der Schmerz bleibt. Der verurteilte Jugendliche wird in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht. Dort soll er therapiert werden.
Die Gesellschaft muss sich fragen: Wie konnte es so weit kommen? Familiendramen wie dieses passieren nicht über Nacht. Meist gibt es Warnsignale. Wir alle sollten aufmerksamer sein.