In deutschen Bahnhöfen und Zügen wird es gefährlicher für die Menschen, die dort arbeiten. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Im vergangenen Jahr registrierte die Deutsche Bahn über 2.700 Gewalttaten gegen ihre Mitarbeiter. Das sind durchschnittlich mehr als sieben Angriffe pro Tag.
Die Bandbreite reicht von Beleidigungen über Bedrohungen bis hin zu körperlichen Attacken. Besonders betroffen sind Zugbegleiter, Servicemitarbeiter und das Sicherheitspersonal. Viele berichten von einer zunehmend aggressiven Stimmung. Ein Lokführer aus Hamburg erzählte mir kürzlich: „Die Hemmschwelle ist deutlich gesunken. Schon bei kleinen Verspätungen werden wir angegangen.»
Die Bundespolizei bestätigt diese Entwicklung. Allein in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres gab es rund 2.000 registrierte Übergriffe. Das Dunkelfeld dürfte noch größer sein, denn längst nicht jeder Vorfall wird angezeigt. Die Gewerkschaft der Lokomotivführer fordert seit Jahren mehr Schutzmaßnahmen.
In meiner zwanzigjährigen Laufbahn habe ich viele Berichte über Gewalt im öffentlichen Raum geschrieben. Doch die Entwicklung bei der Bahn macht mich nachdenklich. Es geht hier um Menschen, die ihren Job machen wollen. Nichts weiter. Die Deutsche Bahn reagiert mittlerweile mit verstärkten Sicherheitsdiensten und Videoüberwachung. Mehr dazu beim Bundesinnenministerium, das die Zahlen zusammen mit der Bundespolizei erfasst.
Doch technische Maßnahmen allein werden das Problem nicht lösen. Es braucht eine gesellschaftliche Debatte darüber, wie wir miteinander umgehen. Respekt und Anstand sollten keine Fremdwörter sein, auch nicht im Stress des Alltags. Die Frage ist: Wann haben wir vergessen, dass hinter jeder Uniform ein Mensch steht?