Der Dresdner SC verliert knapp gegen Chieri aus Italien – doch eigentlich haben die Sachsen schon gewonnen. Nicht auf dem Spielfeld, aber dort, wo es für Sportvereine zunehmend zählt: in den sozialen Medien, bei den Streaming-Zahlen und in der digitalen Reichweite. Der knappe Ausgang gegen das italienische Top-Team zeigt, wie sich der Europapokal für kleinere Clubs zur perfekten Bühne entwickelt hat.
Volleyball gehörte lange zu den Sportarten, die außerhalb ihrer Hochburgen kaum jemand wahrnahm. Doch genau das ändert sich gerade. „Wir haben während des Spiels dreimal so viele Live-Stream-Zuschauer erreicht wie bei einem durchschnittlichen Bundesliga-Spiel», erklärt Marketingverantwortliche Julia Kretschmer vom DSC. Die Kombination aus internationalem Gegner, packender Dramaturgie und cleverer Social-Media-Begleitung macht aus einem verlorenen Spiel einen digitalen Erfolg.
Die Zahlen geben ihr recht. Laut Volleyball-Dachverband CEV haben sich die Online-Zugriffe auf Europapokal-Spiele in den letzten drei Jahren verfünffacht. Instagram-Reels vom Matchpoint, Behind-the-Scenes-Content auf TikTok, Live-Reaktionen der Spielerinnen – was früher ein reines Stadionerlebnis war, wird heute zum digitalen Event. Besonders spannend: 42 Prozent der Online-Zuschauer sind unter 25 Jahre alt, eine Altersgruppe, die klassisches Sportfernsehen kaum noch erreicht.
Für Vereine wie den DSC bedeutet das einen Strategiewechsel. Der sportliche Erfolg bleibt wichtig, aber die digitale Verwertung wird fast genauso entscheidend. Ein dramatisches Spiel gegen einen bekannten Gegner generiert Content für Wochen – und neue Fans, die vielleicht nie nach Dresden kommen, aber trotzdem Teil der Community werden. Die Frage ist nur: Wird aus Volleyball dadurch ein besserer Sport, oder nur ein besser vermarkteter?