Wenn der VAR die Hauptrolle spielt: HSV und Köln im Unentschieden-Drama
Ein Spiel, zwei Tore, drei VAR-Eingriffe – willkommen im modernen Fußball. Beim 1:1 zwischen dem Hamburger SV und dem 1. FC Köln wurde deutlich, wie sehr die Technologie mittlerweile das Geschehen auf dem Platz dominiert. Was früher eine klare Sache des Schiedsrichters war, wird heute zentimetergenau analysiert. Doch macht uns das glücklicher?
Die Szene in der 34. Minute zeigt es exemplarisch: Tor für Köln, Jubel im Gästeblock, dann der prüfende Blick des Referees aufs Handgelenk. VAR-Check. Minuten der Unsicherheit. Abseits, Tor aberkannt. Trainer Gerhard Struber wird später sagen: «Solche Entscheidungen entscheiden Spiele. Wir müssen damit leben, auch wenn es schwerfällt.» Die Frage bleibt: Ist Präzision wichtiger als Spielfluss?
Der HSV ging durch Königsdörffer in Führung, Köln glich durch Lemperle aus. Beide Treffer wurden auf Herz und Nieren geprüft. Die Technik am Spielfeldrand hat das Stadionerlebnis verändert. Früher diskutierte man tagelang über strittige Szenen, heute liefert die Technologie binnen Sekunden Gewissheit – oder zumindest den Versuch davon. Fans im Volksparkstadion warteten gebannt, Smartphones gezückt, bereit für die Social-Media-Reaktion.
Was sagt das über uns? Wir wollen Gerechtigkeit, aber auch Emotion. Die Digitalisierung des Fußballs bringt Fairness, nimmt aber auch Spontaneität. Vielleicht ist das der Preis für den perfekten Sport. Bleibt die Frage: Wollen wir wirklich Perfektion, oder vermissen wir insgeheim die menschliche Unzulänglichkeit, die den Fußball erst interessant machte?