Manchmal zwingt der Fußball einen Trainer zum Umdenken schneller als ihm lieb ist. Julian Nagelsmann wollte Angelo Stiller eigentlich nicht dabei haben – nun ist der Stuttgarter plötzlich eine Startelf-Option für die anstehenden WM-Testspiele. Die Verletzungen von Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha haben den Bundestrainer dazu gebracht, kurzfristig auf ein Stuttgarter Duo zu setzen: Stiller und Chris Führich rücken ins DFB-Aufgebot.
Die Situation ist pikant. Erst vor Tagen hatte Nagelsmann öffentlich erklärt, warum Stiller nicht im Kader steht: Er sehe den 24-Jährigen nicht in der Startelf und als Backup für Pavlovic sei er nicht geeignet. Jetzt, nach dem Ausfall beider zentraler Mittelfeldspieler, musste der Bundestrainer genau das korrigieren. Stiller selbst reagierte diplomatisch: «Wenn der Nationaltrainer eine Begründung hat, dann wird sie immer stimmen», sagte er nach dem 5:2-Sieg des VfB in Augsburg.
Pavlovic bleibt mit Hüftbeschwerden in München, während Nmecha mit einer Außenbandverletzung im Knie mehrere Wochen pausieren muss. Das trifft Nagelsmann im zentralen Mittelfeld empfindlich, wo er für die defensive Sechserposition ohnehin begrenzte Optionen hat. Neben Stiller stehen noch Pascal Groß und Anton Stach zur Verfügung – beide eher defensiv orientiert.
Führich kehrt nach längerer Abwesenheit zurück ins Nationalteam. Der 28-jährige Flügelspieler war bei der Heim-EM 2024 dabei und spielt laut Nagelsmann in Stuttgart derzeit eine «sehr, sehr gute Rolle». Seine Nominierung wirkt weniger überraschend als die von Stiller, da der Bundestrainer ihn bereits vor der offiziellen Kaderbekanntgabe als Kandidaten erwähnt hatte.
Die beiden Testspiele gegen die Schweiz in Basel und gegen Ghana in Stuttgart sollen dem DFB-Team wichtige Erkenntnisse für die WM-Vorbereitung liefern. Das Aufgebot trifft sich heute in Herzogenaurach, bevor es am Donnerstag nach Basel geht. Das erste Länderspiel im WM-Jahr steigt am Freitag um 20.45 Uhr.
Was bleibt, ist die Frage, wie flexibel ein Bundestrainer kurz vor einem großen Turnier sein muss – und ob klare Absagen an Spieler wirklich der richtige Weg sind.