Wenn der Bundestrainer nach einem Länderspiel über deinen besten Torjäger spricht und dabei nicht nur lobt, wird es schnell heikel. Sebastian Hoeneß kennt diese Situation nur zu gut. Nach dem 2:1-Sieg gegen Ghana hatte Julian Nagelsmann durchaus kritische Töne zu Deniz Undav angeschlagen – trotz dessen Siegtreffers.
Auf der Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Kracher gegen Dortmund wählte Hoeneß die diplomatische Linie. «Ich habe eine spielfreudige DFB-Elf gesehen, die beide Spiele gewonnen hat. Dazu Deniz, der ein entscheidendes Tor gemacht hat», sagte der VfB-Coach nüchtern. Statt Öl ins Feuer zu gießen, betonte er lieber: «Es ist besser für alle Seiten, wenn das Thema zur Ruhe kommt.»
Die Zahlen sprechen ohnehin für sich. 18 Tore und fünf Vorlagen in nur 23 Ligaspielen dieser Saison – Undav ist für Stuttgart schlichtweg unverzichtbar. In 109 Pflichtspielen für den VfB kommt der 29-Jährige auf irre 55 Treffer und 29 Vorlagen. «Wir haben mit Deniz einen, der häufig den Unterschied macht», schwärmt Hoeneß. «Das brauchst du immer, einen, der dann finalisiert.»
Besonders pikant: Beim letzten Aufeinandertreffen mit dem BVB Ende November schoss Undav alle drei VfB-Tore beim 3:3. Ein Dreierpack, der an die großen Zeiten von Gerd Müller erinnert. Vielleicht die beste Antwort auf alle Diskussionen rund um die Nationalmannschaft.
Hoeneß bleibt dabei gelassen und überzeugt: «Deniz liefert die Antworten auf dem Platz. Das wird er die nächsten Wochen auch tun.» Für die WM sieht der Trainer ohnehin schwarz auf weiß: Eine gute Nationalmannschaft mit einem guten Deniz Undav. Ob Nagelsmann das genauso sieht, wird sich zeigen.