Heute erreicht uns aus München eine Nachricht, die mich, wie viele hier in Deutschland, sprachlos macht. 56 Jahre nachdem ein Feuer im jüdischen Altersheim der Israelitischen Kultusgemeinde sieben Menschen das Leben kostete, gibt es endlich einen Namen. Die Generalstaatsanwaltschaft nennt einen bereits 2020 verstorbenen Mann aus dem rechten Milieu. Zeugen beschrieben ihn als Antisemiten mit einem „Hitler-Tick“. Neue Ermittlungen sprächen, so die Behörde, „deutlich für eine Täterschaft“. Ein Schlussstrich ist das nicht. Wie auch?
In der Nacht des 13. Februar 1970 wurde in der Reichenbachstraße ein Öl-Benzin-Gemisch im Treppenhaus entzündet. Ein gezielter Mordplan. Den Bewohnern der oberen Etagen wurde der Fluchtweg abgeschnitten. Unter den sieben Toten waren zwei Überlebende der nationalsozialistischen Vernichtungslager. Sie hatten das Graben überlebt, um Jahre später in ihrer neuen Heimat München auf dieselbe mörderische Ideologie zu treffen. Dieser Anschlag war einer der brutalsten antisemitischen Angriffe in der Geschichte der Bundesrepublik.
Jahrzehntelang blieb der Fall kalt. 2017 wurden die Ermittlungen eingestellt. Was nun die Wiederaufnahme brachte? Ein neuer Hinweis aus der Bevölkerung. Das ist bemerkenswert. Es zeigt, dass sich das kollektive Gedächtnis einer Stadt nicht so einfach löschen lässt. In meinen Jahren als Reporterin habe ich oft erlebt, wie solche zivilcouragierten Momente Ermittlungen erst möglich machen. Die Arbeit der Staatsanwaltschaft ist hier detailliert nachzulesen.
Was bleibt, ist eine schwere Last. Die Unschuldsvermutung gilt auch hier postmortal, eine formelle Anklage ist nicht mehr möglich. Unklar bleibt zudem, ob der Mann allein handelte. Die Identifikation ist ein wichtiges Puzzleteil, aber sie schließt die Wunde nicht. Sie erinnert uns schmerzhaft daran, dass der Antisemitismus von 1970 kein bedauernswerter Einzelfall war, sondern ein brutaler Kontinuitätsstrang. Und sie stellt uns die Frage: Was tun wir heute, damit sich solche Geschichten nie wiederholen?
- Antisemitismus bekämpfen
- Bewusstsein schaffen
- Geschichte aufarbeiten
- Zeugen unterstützen
- Bildung fördern
- Gemeinschaft stärken
| Jahr | Ereignis | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1970 | Brandanschlag im jüdischen Altersheim | Brutalster antisemitischer Angriff |
| 2017 | Ermittlungen eingestellt | Fall bleibt lange kalt |
| 2020 | Verdächtiger verstorben | Neuer Hinweis führt zu Identifikation |