Die Straßen unserer Städte füllen sich wieder. An diesem Nachmittag sind es nicht die üblichen Verdächtigen, nicht die etablierten Bewegungen. Es sind vor allem junge Gesichter, Schülerinnen und Studierende, die in Berlin, München oder Frankfurt demonstrieren. In Berlin sind es 2700, in München 1800, in Frankfurt rund 1000 Menschen. Sie folgen dem Aufruf der Initiative «Gen Z regelt». Ihre Forderungen sind konkret: mehr Geld für marode Schulen, für dringend benötigte Suchthilfe und Psychotherapieplätze. Sie fordern Maßnahmen gegen die steigenden Mieten und Lebenshaltungskosten, die viele junge Menschen in die Verzweiflung treiben. Und sie verlangen konsequenten Klimaschutz – eine Zukunftsperspektive.
«Wir lassen uns unsere Zukunft nicht wegdiskutieren», sagte eine sechzehnjährige Teilnehmerin in München zu mir. Ihre Hände hielten ein selbstgemaltes Plakat. Diese Entschlossenheit ist neu. Es geht hier nicht um eine weitere Klimademo, obwohl das Thema präsent ist. Es ist ein umfassender Aufschrei einer Generation, die sich in vielen Lebensbereichen abgehängt fühlt. Die Initiatoren lehnen explizit eine Rückkehr der Wehrpflicht und einen Ausbau der staatlichen Überwachung ab. Sie wollen staatliche Investitionen in soziale Infrastruktur, nicht in Überwachungstechnik.
Aus meinen Gesprächen vor Ort spricht eine tiefe Verunsicherung. Viele junge Menschen fragen sich, wovon sie später einmal leben sollen. Sie sehen überfüllte Klassenräume, monatelange Wartezeiten für Therapieplätze und gleichzeitig politische Debatten über Themen, die sie als existenzielle Bedrohung empfinden. In Baden-Württemberg habe ich ähnliche Stimmungen schon in Schülerzeitungsredaktionen gespürt – ein Gefühl, dass ihre Anliegen nicht ernst genommen werden.
Die Bedeutung dieser Proteste liegt in ihrer Breite. Sie finden nicht nur in den Metropolen, sondern in über dreißig Städten statt, von Leipzig bis Mainz. Das zeigt: Es ist kein lokales Phänomen, sondern ein flächendeckendes Gefühl. Die Politik wird diese Stimmen hören müssen. Die nächsten Schritte werden zeigen, ob die etablierten Parteien Antworten haben oder ob der Frust weiter wächst. Eine Generation meldet sich zu Wort. Wir sollten genau hinhören, was sie zu sagen hat. Mehr zur Initiative finden Sie auf den Seiten des Deutschen Jugendinstituts.
- Mehr Geld für marode Schulen
- Dringend benötigte Suchthilfe
- Psychotherapieplätze
- Maßnahmen gegen steigende Mieten
- Lebenshaltungskosten senken
- Klimaschutz ernst nehmen
| Stadt | Anzahl der Teilnehmer |
|---|---|
| Berlin | 2700 |
| München | 1800 |
| Frankfurt | 1000 |
| Leipzig | – |
| Mainz | – |
| Über 30 Städte | – |