Die A4-Baustelle fordert ihr erstes wirtschaftliches Opfer: Das Möbelhaus Wikinger schließt seine Standorte in Dresden und Klipphausen. Nach 32 Jahren gibt Inhaber Holger Wießner auf. «Der tägliche Verkehrskollaps hat uns ruiniert», erklärt der 62-jährige Unternehmer mit hörbarer Enttäuschung.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit Beginn der Großbaustelle zwischen Dresden und Nossen sind die Umsätze um fast 40 Prozent eingebrochen. Kunden aus dem Raum Meißen und Döbeln, früher das Kerngebiet, bleiben weg. «Niemand nimmt für ein Sofa zweistündige Staus in Kauf», beobachtet Wießner, der morgens selbst regelmäßig im Berufsverkehr feststeckt.
Die 23 Mitarbeiter erhielten vergangene Woche die Kündigung. Für viele ein Schock, wie Verkäuferin Martina Lehmann berichtet: «Wir sind wie eine Familie. Manche arbeiten seit über 20 Jahren hier.» Der Räumungsverkauf läuft bereits, bis Ende Februar sollen beide Häuser geräumt sein.
Das Landesamt für Straßenbau hatte die Bauarbeiten ursprünglich für 18 Monate angesetzt. «Jetzt sprechen wir von mindestens drei Jahren», kritisiert Wießner. Die IHK Dresden registriert weitere betroffene Unternehmen. «Wikinger ist leider kein Einzelfall. Besonders der stationäre Einzelhandel leidet», bestätigt Kammersprecher Lars Fiehler.
Was bleibt, ist ein Stück sächsische Möbelgeschichte. Als einer der ersten privaten Händler nach der Wende hatte Wießner skandinavische Wohnkultur in die Region gebracht. «Dresden verliert einen Pionier», bedauert Stammkundin Heike Berger, die zum Abschied vorbeischaute. Mehr dazu bei der IHK Sachsen.
Wird der Autobahnausbau langfristig mehr wirtschaftliche Opfer fordern? Die Antwort steht in den Sternen – und im zähen Baustellenverkehr.