Die Ankündigung der AfD, ihren «Zukunftsparteitag» ausgerechnet am 7. und 8. September in Erfurt abzuhalten, sorgt bundesweit für Empörung. Das Datum ist historisch belastet: Auf den Tag genau vor 100 Jahren, am 7. September 1924, versammelten sich die Nationalsozialisten um Hitler zum «Deutschen Tag» in Erfurt. Der Zufall erscheint vielen Beobachtern kaum glaubhaft.
Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) spricht von einer «perfiden Strategie». Bundesinnenministerin Nancy Faeser warnt: «Die AfD zeigt immer deutlicher ihr wahres Gesicht.» Die zeitliche Überschneidung weckt besonders in Thüringen, wo die AfD mit Björn Höcke einen vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuften Landesvorsitzenden hat, ungute Erinnerungen.
Als ich vor Jahren über rechte Netzwerke in Thüringen recherchierte, stieß ich immer wieder auf die gleiche Taktik: historische Bezüge zum Nationalsozialismus, die gerade noch im Bereich des Abstreitbaren liegen. Ein ehemaliger AfD-Mitarbeiter vertraute mir damals an: «Solche Termine sind nie Zufall.»
Der Historiker Jens-Christian Wagner von der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora sieht in der Terminwahl eine «gezielte Provokation». Die AfD selbst weist alle Vorwürfe zurück und spricht von einem «zufälligen Zusammentreffen».
In Erfurt formieren sich bereits Protestbündnisse. Besonders brisant: Die AfD könnte bei der Landtagswahl am 1. September stärkste Kraft werden – und würde dann eine Woche später genau dort ihren «Zukunftsparteitag» abhalten, wo einst die NSDAP ihre Anhänger versammelte. Die Geschichte scheint manchmal in erschreckenden Schleifen zu verlaufen.