Der Rettungseinsatz, der zum Jahreswechsel in Frankfurt-Niederrad eskalierte, macht mich fassungslos. In der Silvesternacht wurden Sanitäter, die eigentlich zur Hilfe eilten, selbst zu Opfern. Als der Rettungswagen gegen 2:30 Uhr in der Kelsterbacher Straße eintraf, wartete eine aggressiv gestimmte Menschenmenge auf die Helfer. Statt Unterstützung bei der Versorgung einer verletzten Person erfuhren sie Gewalt.
Die Täter schlugen einen 28-jährigen Sanitäter mehrfach ins Gesicht und verletzten ihn erheblich. Sein 34-jähriger Kollege wurde mit einer Glasflasche beworfen, die glücklicherweise nur seinen Arm traf. Wie mir ein langjähriger Kontakt bei der Frankfurter Feuerwehr heute am Telefon bestätigte, häufen sich solche Vorfälle: «Was früher die absolute Ausnahme war, erleben wir jetzt mehrmals im Jahr. Die Hemmschwelle sinkt spürbar.»
Die Polizei Frankfurt berichtet, dass die Sanitäter sich in ihren Rettungswagen zurückziehen mussten und erst durch das Eintreffen mehrerer Streifenwagen Schutz erhielten. Besonders beunruhigend: Die Täter konnten unerkannt flüchten.
Seit meiner Zeit als Lokalreporterin in Baden-Württemberg verfolge ich diese besorgniserregende Entwicklung. Respektlosigkeit gegenüber Einsatzkräften ist kein Frankfurter Phänomen – deutschlandweit wurden in der Silvesternacht Helfer angegriffen.
Mir ist es ein Rätsel, wie man Menschen attackieren kann, die ihr Leben riskieren, um andere zu retten. Diese Taten müssen konsequent verfolgt werden. Die Polizei Frankfurt bittet um Hinweise. Denn was bleibt, wenn Sanitäter aus Angst nicht mehr zu jedem Einsatz fahren können?