Die Arbeitslosenzahlen in Hamburg und Schleswig-Holstein sind gestiegen – deutlicher als in anderen Regionen Deutschlands. Im Juni waren in der Hansestadt 87.940 Menschen ohne Job, 3,8 Prozent mehr als im Vormonat. Die Quote liegt nun bei 8,0 Prozent. In Schleswig-Holstein stieg die Zahl sogar um 4,2 Prozent auf 89.100 Arbeitslose, was einer Quote von 5,5 Prozent entspricht. Der bundesweite Anstieg fiel mit 2,3 Prozent geringer aus.
Experten sehen mehrere Gründe für diese Entwicklung. «Der Arbeitsmarkt im Norden reagiert besonders sensibel auf saisonale Faktoren», erklärt Markus Biercher, Chef der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit. Hinzu kommt die wirtschaftliche Gesamtlage: Die anhaltende Konjunkturflaute und die Probleme wichtiger Industriezweige machen sich bemerkbar.
Besonders betroffen sind junge Menschen unter 25 Jahren. Ihre Zahl stieg in Hamburg um 6,3 Prozent. Viele Ausbildungsverträge enden im Frühsommer, und nicht alle finden sofort eine Anschlussbeschäftigung. Diese Entwicklung beobachte ich seit Jahren, aber die Intensität nimmt zu.
In Hamburg-Mitte ist die Lage mit einer Quote von 10,1 Prozent besonders angespannt. Das zeigt, wie stark soziale Unterschiede den Arbeitsmarkt prägen. Bei meinen Recherchen in der Hafenstadt spüre ich die Verunsicherung vieler Arbeitnehmer.
Die Wirtschaftsexperten der Handelskammer Hamburg sehen aber auch positive Signale: «Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen bleibt mit über 11.000 in Hamburg stabil», betont Handelskammerpräsident Norbert Aust. Das deute auf eine anhaltende Nachfrage nach Fachkräften hin.
Für den Sommer rechnen die Arbeitsmarktexperten mit einer weiteren leichten Verschlechterung, bevor im Herbst traditionell wieder mehr Menschen in Arbeit kommen. Die grundsätzlichen strukturellen Probleme bleiben aber bestehen. Ohne wirtschaftliche Impulse und gezielte Qualifizierungsmaßnahmen dürfte die Trendwende ausbleiben. Wie gut, dass der Norden bei allem Gegenwind seinen Optimismus nicht verliert.