In Norddeutschland steigt die Arbeitslosigkeit weiter an. Im Dezember 2023 waren in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern über 545.000 Menschen ohne Arbeit – fast 40.000 mehr als im Vorjahresmonat. Mit 6,1 Prozent liegt die Arbeitslosenquote im Norden deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 5,7 Prozent.
«Der Arbeitsmarkt bekommt aktuell keinen richtigen Rückenwind», erklärt Markus Biercher, Leiter der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit. Die schwächelnde Wirtschaft hinterlässt zunehmend Spuren. Besonders betroffen ist Mecklenburg-Vorpommern mit einer Quote von 7,7 Prozent, gefolgt von Hamburg mit 7,3 Prozent.
In Bremen sieht es noch düsterer aus. Mit 10,7 Prozent hat das kleinste Bundesland die höchste Arbeitslosenquote in ganz Deutschland. Das zeigt das klassische Nord-Süd-Gefälle am Arbeitsmarkt.
Bei meinen Gesprächen mit Handwerksmeistern in Hamburg fällt mir auf, dass viele ihre Auftragsrückgänge beklagen. «Wir spüren die Zurückhaltung der Kunden deutlich», sagt Tischlermeister Jan Böttcher, dessen Betrieb im Dezember erstmals seit fünf Jahren Kurzarbeit anmelden musste.
Gleichzeitig suchen Unternehmen weiterhin verzweifelt nach Fachkräften. Die Agenturen melden bundesweit 710.000 offene Stellen. Besonders prekär: Während die offenen Stellen abnehmen, steigt die Zahl der Arbeitslosen.
Experten erwarten keine schnelle Besserung. Die schwache Konjunktur, anhaltende politische Unsicherheiten und die Transformation wichtiger Industriezweige könnten den Arbeitsmarkt 2024 weiter belasten. Bleibt die Frage, welche politischen Maßnahmen den Druck von den Regionen nehmen können.