Die Berliner Ausbildungssituation bleibt angespannt. Während tausende Jugendliche noch immer keinen Ausbildungsplatz haben, warten Politik und Wirtschaft auf aktuelle Zahlen. Die Bundesagentur für Arbeit spricht von rund 4.700 unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern in der Hauptstadt – Tendenz möglicherweise steigend.
Was wir erleben, ist ein besorgniserregender Trend. Seit Jahren fehlt es an ausreichend Ausbildungsplätzen in Berlin, während gleichzeitig der Fachkräftemangel beklagt wird. In meinen Gesprächen mit Schulabgängern höre ich immer wieder dieselbe Frustration: «Ich habe über 50 Bewerbungen geschrieben und kaum Rückmeldungen bekommen», erzählt mir die 18-jährige Selin aus Neukölln.
Die Wirtschaft argumentiert mit schwierigen Rahmenbedingungen. «Viele Betriebe können es sich schlicht nicht leisten, auszubilden», erklärt Stefan Hauer von der IHK Berlin. Besonders im Handwerk und in der Gastronomie sei die Lage angespannt.
Die Diskussion um eine Ausbildungsplatzabgabe für Unternehmen, die nicht ausbilden, flammt wieder auf. Während Gewerkschaften diese fordern, lehnt die Wirtschaft sie vehement ab. Die Senatsbildungsverwaltung prüft alternative Fördermodelle.
Als ich letzte Woche das Ausbildungszentrum in Tempelhof besuchte, wurde mir klar: Es braucht mehr als nur Zahlenspiele. Die jungen Menschen brauchen echte Perspektiven. Berlin steht vor einer schwierigen Entscheidung – zwischen Wirtschaftsförderung und Zukunftssicherung. Was zählt am Ende mehr: kurzfristige Gewinninteressen oder langfristige Fachkräftesicherung?