In Dresden erinnert man sich noch heute an einen Fall, der die Stadt 1984 erschütterte: Baby Felix wurde aus seinem Kinderwagen entführt und verschwand spurlos. Jetzt, fast 40 Jahre später, suchen seine Eltern Peter und Elke Meisel noch immer nach ihrem Sohn. Eine neue MDR-Dokumentation rollt den Fall wieder auf und bringt erschreckende Details ans Licht.
Am 19. April 1984 stellte Mutter Elke den Kinderwagen mit dem sechs Monate alten Felix vor einem Geschäft in Dresden-Neustadt ab. Als sie nach wenigen Minuten zurückkam, war ihr Kind verschwunden. «In dem Moment bricht deine Welt zusammen», erzählt sie heute mit Tränen in den Augen.
Die Stasi übernahm damals die Ermittlungen, fand aber keine Spur von Felix. Erst nach dem Mauerfall entdeckten die verzweifelten Eltern in den Akten einen schockierenden Verdacht: Ihr Kind könnte in die Sowjetunion verschleppt worden sein. «Wir haben erfahren, dass russische Diplomaten am Tag des Verschwindens Dresden verlassen haben», erklärt Peter Meisel.
Jahrelang reisten die Meisels nach Russland, suchten in Waisenhäusern und schalteten Privatdetektive ein. Kleine Hinweise gab es immer wieder, doch nie die erlösende Gewissheit. Ich war mehrfach bei ihren Pressekonferenzen dabei und habe selten so viel Durchhaltewillen erlebt.
Die Dokumentation «Felix und das große Schweigen» beleuchtet nicht nur das persönliche Schicksal, sondern auch die politischen Verstrickungen. Damals, im geteilten Deutschland, waren solche Fälle besonders kompliziert. Recherchen deuten auf ein System des Kinderhandels hin, das möglicherweise von höchsten Stellen gedeckt wurde.
«Wir werden nicht aufhören zu suchen, solange wir leben», sagt Elke Meisel. Ihre Geschichte zeigt, wie Hoffnung und Verzweiflung über Jahrzehnte eng beieinander liegen können. Und sie wirft die Frage auf: Wie viele ähnliche Schicksale sind bis heute unentdeckt geblieben?