Die Silvesternacht in Berlin hat 25 Menschen mit schweren Verletzungen in die Notaufnahmen gebracht, darunter acht Kinder. Diese ernüchternde Bilanz zogen heute die Berliner Krankenhäuser, drei Tage nach dem Jahreswechsel. Besonders alarmierend: Die Hälfte der verletzten Kinder erlitt Verbrennungen im Gesicht, ein 14-Jähriger verlor durch einen explodierenden Böller drei Finger.
In der Hauptstadt wurden die meisten Patienten in der Charité behandelt. «Die Verletzungsmuster sind erschreckend ähnlich zu den Vorjahren», erklärt Dr. Martin Scherer, Leiter der Notaufnahme. «Viele Betroffene unterschätzen die Sprengkraft illegaler Feuerwerkskörper völlig.»
Nach Polizeiangaben wurden über 1.500 Notrufe registriert – rund 700 mehr als im Vorjahr. Die Berliner Feuerwehr war mit Sonderschichten und verstärkten Teams im Einsatz. «Wir haben alles gegeben, aber die Aggressivität gegenüber Einsatzkräften hat uns erschüttert», berichtet Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein.
In meinen fast zwanzig Jahren als Reporterin habe ich viele Silvester erlebt. Aber die Berichte der Sanitäter in den Brennpunkten Neukölln und Wedding klingen jedes Jahr dramatischer. Sie erzählen von gezielten Böllerwürfen auf Rettungswagen und von Patienten, die während der Behandlung von Umstehenden bedroht wurden.
Der Senat kündigt nun erneut Beratungen über schärfere Böllerverbote an. Doch die Durchsetzung bleibt schwierig. Während Politiker über Konsequenzen diskutieren, liegen noch immer Kinder mit verbundenen Händen in Berliner Kliniken. Die Frage bleibt: Was wiegt schwerer – die Tradition des Feuerwerks oder der Schutz derer, die am verletzlichsten sind?