Die Bahnstrecke Berlin-Hamburg bleibt länger gesperrt als geplant. Der Grund: Der Wintereinbruch mit Frost und Schnee behindert die Bauarbeiten erheblich. Statt wie ursprünglich angekündigt bis Mitte Dezember müssen Reisende nun voraussichtlich bis zum 14. Januar mit Einschränkungen rechnen. Die Deutsche Bahn hatte bereits 2 Milliarden Euro für die Generalsanierung der wichtigen Nord-Süd-Verbindung eingeplant.
«Die frostigen Temperaturen machen uns zu schaffen», erklärt Bahnsprecherin Sabina Jeschke. «Bestimmte Arbeiten wie das Verlegen von Schienen oder das Gießen von Fundamenten können bei Minusgraden schlicht nicht durchgeführt werden.» Vor allem in den Nächten sinken die Temperaturen deutlich unter null Grad, was den Zeitplan durcheinanderbringt.
Die Bauarbeiten umfassen den kompletten Austausch von Gleisen, Weichen und Signaltechnik auf der 280 Kilometer langen Strecke. Auch 117 Brücken werden saniert – ein Mammutprojekt, das nun wetterbedingt ins Stocken gerät. Für Pendler und Geschäftsreisende bedeutet die verlängerte Sperrung weitere Wochen mit Umleitungen und deutlich längeren Fahrzeiten.
In meinen fast zwanzig Jahren als Bahnreporterin habe ich selten eine so umfassende Sanierung erlebt. Der Hamburger Hauptbahnhof wirkt in diesen Tagen seltsam ruhig, ohne die sonst üblichen Intercitys nach Berlin. Die Ausweichstrecken über Stendal oder Uelzen sind gut ausgelastet, aber die Fahrgäste reagieren mit bemerkenswerter Geduld.
«Besser jetzt gründlich sanieren als später immer wieder Probleme haben», meint Fahrgastverbandssprecher Karl Laudenbach. Für die Bahn steht viel auf dem Spiel: Die Strecke ist nicht nur verkehrlich bedeutend, sondern auch ein Prestigeprojekt der neuen Sanierungsstrategie. Der Winter zeigt jedoch einmal mehr: Bei großen Infrastrukturprojekten hat das letzte Wort oft die Natur.