Die Zahl der Todesopfer nach dem verheerenden Brand in einem Hochhaus in Berlin-Friedrichsfelde ist auf drei gestiegen. Nachdem bereits ein Säugling in der Brandnacht verstarb, erlagen nun auch die 28-jährige Mutter und ihr fünfjähriger Sohn ihren schweren Verletzungen im Krankenhaus. Die Familie war bei dem Feuer am späten Donnerstagabend von den Flammen in ihrer Wohnung im achten Stock eingeschlossen worden.
In meinen fast zwanzig Jahren als Reporterin habe ich selten eine solche Betroffenheit in einem Kiez erlebt. «Das hätte uns alle treffen können», sagt eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Am Eingang des Hochhauses in der Seddiner Straße haben Nachbarn Kerzen und Blumen abgelegt. Ein kleiner Teddybär erinnert an die Kinder, die bei dem Unglück ums Leben kamen.
Die genaue Brandursache ist weiterhin unklar. Feuerwehrsprecher Dominik Pretz erklärte gegenüber unserer Zeitung: «Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Wir können derzeit weder Fahrlässigkeit noch technisches Versagen ausschließen.» Bei dem Großeinsatz waren mehr als 110 Rettungskräfte vor Ort. 15 weitere Bewohner konnten mit Drehleitern gerettet werden, einige erlitten Rauchgasvergiftungen.
Hamburger Brandschutzexperte Heinrich Kellermann fordert nach dem Unglück eine Überprüfung der Brandschutzmaßnahmen in älteren Hochhäusern: «Besonders in Plattenbauten aus den 70er Jahren ist die Technik oft nicht mehr zeitgemäß.» Die Diskussion um verbesserte Fluchtwege und Rauchmelder in solchen Wohnkomplexen wird uns in den kommenden Wochen weiter beschäftigen – zu Recht, denn im Ernstfall zählt jede Minute.