Der öffentliche Nahverkehr in Berlin kommt nach dem 24-stündigen Warnstreik allmählich wieder in Gang. Seit den frühen Morgenstunden fahren Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen wieder nach Fahrplan. Tausende Berlinerinnen und Berliner mussten gestern auf alternative Verkehrsmittel umsteigen oder im Homeoffice arbeiten. Nach Angaben der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) waren rund 9.000 Mitarbeitende dem Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi gefolgt.
«Wir kämpfen für faire Arbeitsbedingungen und angemessene Löhne in einer Stadt, deren Lebenshaltungskosten ständig steigen», erklärte Verdi-Verhandlungsführer Jeremy Arndt. Die Gewerkschaft fordert für die rund 16.000 BVG-Beschäftigten eine Lohnerhöhung von 150 Euro monatlich sowie eine Einmalzahlung von 3.000 Euro. Die Arbeitgeberseite bezeichnet diese Forderungen als «wirtschaftlich nicht tragbar».
Während meiner Fahrt durch die Stadt heute Morgen sah ich an vielen Haltestellen noch verunsicherte Fahrgäste, die auf ihre Verbindungen warteten. Am Alexanderplatz erzählte mir eine Krankenschwester: «Gestern musste ich ein Taxi zur Frühschicht nehmen – das hat mich fast 30 Euro gekostet.»
Die Auswirkungen des Streiks waren in ganz Berlin zu spüren. Besonders betroffen waren Pendler aus den Außenbezirken und ältere Menschen, die auf den ÖPNV angewiesen sind. S-Bahnen und Regionalzüge der Deutschen Bahn waren nicht bestreikt und bildeten für viele die einzige Alternative.
Die nächste Verhandlungsrunde zwischen Verdi und den Berliner Verkehrsbetrieben findet nächste Woche statt. Sollte keine Einigung erzielt werden, könnten weitere Arbeitsniederlegungen folgen. Für die Millionenstadt eine Herausforderung – und für alle Beteiligten ein Balanceakt zwischen berechtigten Arbeitnehmerinteressen und dem öffentlichen Mobilitätsbedürfnis.