In Berlin fordern jüdische Einrichtungen verstärkten Polizeischutz. Der Konflikt im Nahen Osten wirkt bis in deutsche Städte hinein. Seit Monaten steigt die Zahl antisemitischer Vorfälle deutlich an.
Die Berliner Polizei hat ihre Präsenz vor Synagogen und Gemeindezentren erhöht. Auch Schulen mit jüdischen Schülern stehen unter besonderer Beobachtung. Der Zentralrat der Juden spricht von einer besorgniserregenden Entwicklung. „Viele Gemeindemitglieder fühlen sich nicht mehr sicher», sagt Josef Schuster, Präsident des Zentralrats.
Die Zahlen geben ihm recht. Das Bundesinnenministerium registrierte allein im letzten Quartal über 400 antisemitische Straftaten. Das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Hassparolen bei Demonstrationen, Schmierereien an Gedenkstätten, vereinzelt auch körperliche Angriffe – die Liste ist lang.
Ich habe in meinen Jahren als Reporterin viele Demonstrationen begleitet. Was mich derzeit umtreibt: Die Grenze zwischen politischer Kritik und offenem Judenhass verschwimmt zusehends. In München oder Hamburg sehe ich ähnliche Entwicklungen. Polizisten berichten mir von angespannter Stimmung bei Versammlungen.
Berlins Innensenatorin Iris Spranger kündigte an, die Schutzmaßnahmen weiter auszubauen. „Wir dulden keine Bedrohung jüdischen Lebens in unserer Stadt», betonte sie kürzlich. Mehr Informationen dazu bietet das Bundesinnenministerium auf seiner Webseite.
Die Sicherheitsbehörden stehen vor einer schwierigen Aufgabe. Einerseits müssen sie Versammlungsfreiheit gewährleisten. Andererseits braucht es klare Grenzen gegen Hetze.
Für viele jüdische Familien ist der verstärkte Schutz ein zweischneidiges Schwert. Er gibt Sicherheit, zeigt aber auch: Normalität sieht anders aus. Bleibt die Frage, wie wir als Gesellschaft damit umgehen wollen.