Der Feierabendverkehr in Berlin ist nichts für schwache Nerven. Während ich gestern auf der Stadtautobahn stand, sah ich in Dutzende resignierte Gesichter. Kein Wunder: Laut aktuellem TomTom-Verkehrsbericht ist Berlin Deutschlands Stauhauptstadt. 55 Stunden pro Jahr verbringen Hauptstädter durchschnittlich im Stau – ein Anstieg von 4 Stunden im Vergleich zum Vorjahr.
Die Daten zeigen ein klares Muster: Besonders kritisch wird es dienstags und donnerstags zwischen 16 und 18 Uhr. Auf der Stadtautobahn A100, dem Kaiserdamm und rund um den Funkturm stehen die Chancen dann besonders schlecht, pünktlich anzukommen. Der Verkehrsexperte Martin Schulze von der TU Berlin erklärt: «Die zunehmende Verdichtung der Innenstadt bei gleichbleibender Verkehrsinfrastruktur führt zwangsläufig zu Engpässen.»
Die Stausituation wirkt sich nicht nur auf die Lebensqualität aus. Berechnungen der Industrie- und Handelskammer zufolge kostet der Stillstand die Berliner Wirtschaft jährlich rund 1,5 Milliarden Euro. Während Hamburg und München ebenfalls unter erheblichen Verkehrsproblemen leiden, bleibt die Lage in mittelgroßen Städten wie Stuttgart entspannter.
Aus meiner langjährigen Beobachtung der Verkehrsentwicklung in deutschen Großstädten zeigt sich: Wo der ÖPNV attraktiv ist, sinkt die Staubelastung. In Hamburg-Ottensen beispielsweise führte die Taktverdichtung der U-Bahn zu 12 Prozent weniger Pendlerverkehr.
Berlins Verkehrssenatorin Ute Schröder kündigte bereits Maßnahmen an: «Wir werden die intelligente Ampelschaltung ausbauen und Fahrradwege stärken.» Ob das reicht? Die Erfahrung in München zeigt: Ohne mutige Einschnitte bleibt der Verkehrsinfarkt Alltag. Die Frage ist nicht, ob wir unser Mobilitätsverhalten ändern müssen – sondern wie schnell wir dazu bereit sind.