Der Südwesten Berlins versank gestern Abend plötzlich in Dunkelheit. Über 30.000 Haushalte in Zehlendorf, Steglitz und Umgebung waren von einem massiven Stromausfall betroffen. Ursache war ein defektes Kabel im Umspannwerk, wie die Berliner Netzbetriebe mitteilten. «Gegen 19:30 Uhr ging plötzlich gar nichts mehr», berichtet Anwohnerin Sabine Müller.
In den sozialen Medien teilten Berliner schnell Bilder der ungewohnten Dunkelheit. Wo sonst Straßenlaternen und erleuchtete Fenster das Stadtbild prägen, herrschte gespenstische Stille. Restaurants im betroffenen Gebiet mussten improvisieren – Kerzenschein ersetzte Deckenlampen, Handytaschenlampen leuchteten den Weg.
«Es ist wie eine Zeitreise», meinte Klaus Weber, während er in seinem Wohnzimmer Teelichter aufstellte. «Man merkt erst, wie abhängig wir von der Elektrizität sind, wenn sie fehlt.» Die Feuerwehr meldete mehrere steckengebliebene Aufzüge mit eingeschlossenen Personen.
Ich selbst war auf dem Weg zu einem Interviewtermin in Steglitz, als die Ampeln ausfielen. An manchen Kreuzungen übernahmen Polizeibeamte die Verkehrsregelung, andernorts herrschte vorsichtiges Chaos. In Zeiten digitaler Dauerverbundenheit wirkte die plötzliche Entschleunigung fast surreal.
Besonders betroffen waren ältere Menschen und Familien mit kleinen Kindern. «Wir haben unseren Kindern Geschichten bei Kerzenschein vorgelesen, wie früher», erzählte eine junge Mutter aus Zehlendorf. Manche nutzten ihr Auto als beheizte Leseecke oder zum Aufladen ihrer Handys.
Die Reparaturarbeiten dauerten bis in die Nacht. Nach knapp fünf Stunden kehrte der Strom schrittweise zurück. Ein Vorfall, der Fragen zur Stabilität unserer Infrastruktur aufwirft. Sind wir ausreichend vorbereitet auf solche Ausfälle? Der gestrige Abend zeigt: Im Ernstfall rücken Berliner zusammen – bei Kerzenschein.