Nach dem dreistündigen Stromausfall im Berliner Süden gestern Abend hat Innenminister Thomas Strobl unmittelbare Konsequenzen angekündigt. Rund 35.000 Haushalte in Köpenick und Teilen von Treptow saßen im Dunkeln, als gegen 19:30 Uhr die Lichter ausgingen. Laut Vattenfall war ein technischer Defekt in einem Umspannwerk Auslöser für den Blackout, der Krankenhäuser, Supermärkte und öffentliche Einrichtungen lahmlegte.
«Das war ein Warnschuss für die Infrastruktursicherheit unserer Hauptstadt», sagte Strobl bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Besonders besorgniserregend: Die Notstromaggregate im Köpenicker Krankenhaus sprangen erst mit 15-minütiger Verzögerung an.
Ich habe in meinen fast zwei Jahrzehnten als Reporterin mehrere Stromausfälle erlebt, aber selten eine so schnelle politische Reaktion gesehen. Während Techniker die halbe Nacht arbeiteten, waren in den betroffenen Vierteln improvisierte Nachbarschaftshilfen zu beobachten. «Die Leute standen mit Taschenlampen auf den Balkonen und haben sich gegenseitig ausgeholfen», erzählte Anwohnerin Susanne Berger.
Experten warnen schon länger vor der Anfälligkeit kritischer Infrastruktur. «Wir müssen unsere Stromnetze besser gegen Ausfälle und mögliche Sabotageakte wappnen», betont Energiesicherheitsexperte Prof. Rainer Weber von der TU Berlin.
Nach meiner Einschätzung zeigt dieser Vorfall einmal mehr die Verwundbarkeit unserer vernetzten Stadtgesellschaft. Was gestern ein technischer Defekt war, könnte morgen ein gezielter Angriff sein. Wie verletzlich sind wir wirklich? Diese Frage sollte uns alle beschäftigen, nicht nur die Krisenstäbe in den Ministerien.