Rund 35.000 Haushalte im Bezirk Köpenick saßen bei eisigen Temperaturen ohne Strom, Heizung und teilweise Wasser im Dunkeln. Besonders alarmierend: In den kritischen ersten Stunden fehlten klare Informationen für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger. «Die Krisenkommunikation war am Anfang katastrophal», urteilt Frank Roselieb vom Kieler Institut für Krisenforschung.
Während die Behörden zunächst schwiegen, verbreiteten sich in sozialen Medien wilde Spekulationen. «In solchen Situationen entsteht ein Informationsvakuum, das schnell mit Fehlinformationen gefüllt wird», erklärt mir Kommunikationsexpertin Sabine Weber im Telefonat. Die Berliner Feuerwehr brauchte über vier Stunden, bis sie erste konkrete Hinweise gab. Der Netzbetreiber Stromnetz Berlin meldete sich noch später zu Wort.
Besonders problematisch: Viele ältere Menschen ohne Smartphones hatten keinerlei Zugang zu aktuellen Informationen. In meinen Gesprächen mit Betroffenen hörte ich immer wieder: «Wir wussten nicht, wie lange es dauert und was wir tun sollen.» Die Bezirksbürgermeisterin von Köpenick kritisiert rückblickend: «Wir hätten früher Notfalltreffpunkte einrichten und bekannt machen müssen.»
Experten fordern nun eine grundlegende Überarbeitung der Berliner Notfallpläne. Vorbild könnte Hamburg sein, wo nach dem Sturmflut-Desaster 1962 ein vorbildliches Warnsystem entwickelt wurde. Die Digitalisierung allein löst das Problem nicht – gerade bei Stromausfällen braucht es analoge Alternativen.
Was bedeutet das für uns alle? Wir müssen Krisenkommunikation neu denken – nicht als nachgelagerten Prozess, sondern als integralen Teil jedes Notfallplans. Denn wenn der Strom ausfällt, darf die Information nicht im Dunkeln bleiben.