Die Gastronomie in der Hauptstadt steht vor einem Umbruch. Berlin plant ab Januar 2026 ein eigenes Gaststättengesetz, das Betrieben mehr Freiheiten bei Öffnungszeiten und Veranstaltungen geben soll. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey betonte bei der Vorstellung des Entwurfs: «Wir wollen den Charakter Berlins als internationale Metropole stärken und gleichzeitig Anwohnerschutz gewährleisten.»
Nach aktuellen Zahlen der IHK Berlin gibt es über 12.500 gastronomische Betriebe in der Stadt, die jährlich rund 4,8 Milliarden Euro erwirtschaften und mehr als 65.000 Menschen beschäftigen.
Der Gesetzesentwurf sieht vor allem Erleichterungen bei behördlichen Genehmigungen vor. Künftig sollen Gastronomen ihre Anträge digital einreichen können, und die Bearbeitungszeit soll auf maximal vier Wochen verkürzt werden. Ein echter Fortschritt, wenn man bedenkt, dass Gastronomen derzeit oft monatelang auf ihre Genehmigungen warten müssen.
«Das neue Gesetz könnte ein Game-Changer für die Berliner Gastronomieszene sein», sagt Sandra Weber vom Dehoga Berlin. «Besonders die flexibleren Regelungen für Außengastronomie werden uns helfen, das Stadtbild zu beleben.»
Ich habe mit einigen Kiezkneipenbetreibern in Kreuzberg gesprochen. Die meisten sehen die Pläne positiv, sorgen sich aber um die Umsetzung. «Schöne Ideen hatten wir schon immer in Berlin, aber am Ende hakt es oft an der Bürokratie», meinte ein Wirt, der seit 22 Jahren seine Kneipe am Görlitzer Park betreibt.
Kritik kommt dagegen von Anwohnerverbänden. Besonders die geplanten erweiterten Öffnungszeiten für Außenbereiche sorgen für Unmut. Der Lärmschutz soll zwar durch strengere Auflagen gewährleistet werden, doch ob die Kontrollen ausreichen, ist fraglich.
Die Umsetzung des Gesetzes hängt nun von den Beratungen im Abgeordnetenhaus ab. Mit Spannung wird erwartet, welche Kompromisse zwischen Wirtschaftsinteressen und Anwohnerschutz gefunden werden. Wird Berlin damit seinem Ruf als Stadt, die niemals schläft, treu bleiben – oder droht ein Kater am Morgen danach?