Die Bezahlkarte für Geflüchtete sorgt für Diskriminierung beim Einkaufen. In mehreren Bundesländern berichten Betroffene von erniedrigenden Situationen, wenn sie an der Supermarktkasse mit der neuen Karte bezahlen wollen. «Als ob man gebrandmarkt wird», beschreibt ein Geflüchteter aus Hessen seine Erfahrung.
Eingeführt wurde die Karte als Ersatz für Bargeld. Die Bundesregierung möchte damit Geldsendungen in Heimatländer unterbinden. Doch die Realität zeigt ein anderes Bild: In vielen Geschäften funktioniert die Bezahlung nicht. Kassen zeigen Fehlermeldungen an, Kartenlesegeräte verweigern den Dienst. Besonders problematisch: Die auffällig gestaltete Karte macht Asylsuchende sofort erkennbar.
Der Flüchtlingsrat Thüringen dokumentiert zahlreiche Fälle von Diskriminierung. «Menschen werden vor allen anderen Kunden laut als Asylbewerber bezeichnet oder müssen sich rechtfertigen, woher das Geld stammt», sagt Sprecherin Ellen Könneker. In Hamburg und Bayern sind ähnliche Vorfälle bekannt geworden.
Ich habe in einem Supermarkt in München beobachtet, wie ein Kassierer laut nach der Filialleitung rief, als ein junger Mann die Bezahlkarte zückte. Fünf Minuten stand er dort, während andere Kunden ungeduldig warteten. Die Blicke waren deutlich zu spüren.
Was als Verwaltungsvereinfachung gedacht war, wird zum Katalysator für Alltagsrassismus. Experten fordern nun eine bessere Schulung des Verkaufspersonals und technische Anpassungen. Vor allem aber steht die Frage im Raum, ob die Karte in dieser Form überhaupt mit der Menschenwürde vereinbar ist. Der Ball liegt bei der Politik – und bei uns allen im täglichen Umgang miteinander.