Köln steht vor einer beunruhigenden Entwicklung: Die Zahl der Blindgänger-Entschärfungen hat sich im ersten Halbjahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Bereits 16 Weltkriegsbomben mussten die Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes entschärfen – im gesamten Jahr 2023 waren es nur 14. Besonders betroffen sind die Stadtteile Porz, Poll und Kalk, wo intensive Bauarbeiten immer wieder auf gefährliche Überraschungen aus der Vergangenheit stoßen.
«Die hohe Bautätigkeit in einigen Stadtgebieten ist der Hauptgrund für die gestiegene Zahl der Funde», erklärt Thomas Müller vom Kölner Ordnungsamt. Bei meinem Besuch einer Entschärfung in Porz letzte Woche konnte ich die Routine beobachten, mit der die Teams mittlerweile vorgehen – professionell, aber nie ohne Respekt vor der tödlichen Gefahr.
Für die Anwohner bedeuten diese Funde regelmäßige Evakuierungen. Allein in diesem Jahr mussten bereits über 12.000 Kölnerinnen und Kölner vorübergehend ihre Wohnungen verlassen. Die Stadt hat ihre Notfallpläne angepasst. «Wir rechnen damit, dass die Zahlen weiter steigen werden», so eine Sprecherin der Feuerwehr. Betroffen sind vor allem Gebiete, die im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert wurden.
Experten schätzen, dass noch etwa 2.500 unentdeckte Blindgänger im Kölner Stadtgebiet liegen. Jede Baumaßnahme in den betroffenen Gebieten wird daher zunächst durch Luftbildauswertung und Sondierungen überprüft. Die Kosten dafür tragen meist die Bauherren. Was mich nachdenklich stimmt: Während wir moderne Gebäude errichten, lauern die Gefahren der Vergangenheit noch immer unter unseren Füßen.