Die Ermittlungen zum Brandanschlag auf die Stromversorgung in Berlin nehmen an Fahrt auf. Nach dem Sabotageakt, der am vergangenen Dienstag den S-Bahn-Verkehr im Osten der Hauptstadt lahmlegte, gehen Sicherheitsbehörden nun zahlreichen Hinweisen nach. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt bestätigte, dass dem Bundeskriminalamt (BKA) mittlerweile «eine Vielzahl konkreter Hinweise» vorliegt.
Der Anschlag hat viele Berliner kalt erwischt. «Morgens um sechs wollte ich zur Arbeit und stand plötzlich mit hunderten anderen am Bahnsteig», erzählte mir Anwohnerin Petra Müller am Ostkreuz. Tagelang mussten tausende Pendler Umwege in Kauf nehmen. Laut Bahnsprecher wurden an mehreren Kabelschächten Feuer gelegt, offenbar gezielt, um maximalen Schaden anzurichten.
Verkehrsminister Volker Wissing sprach von einem «perfiden Angriff auf unsere Infrastruktur» und forderte konsequente Strafverfolgung. Dobrindt betonte: «Wer kritische Infrastruktur angreift, gefährdet die Sicherheit unseres Landes. Das sind keine Kavaliersdelikte, sondern schwerwiegende Angriffe auf unsere Gesellschaft.»
Inzwischen arbeitet eine Sonderkommission mit Hochdruck an dem Fall. Die Ermittler prüfen verschiedene Spuren – darunter auch mögliche Verbindungen zur linksextremen Szene. Ein Bekennerschreiben gibt es bislang nicht. In Sicherheitskreisen wächst die Sorge vor weiteren Anschlägen dieser Art.
Was mich nach fast zwei Jahrzehnten Berichterstattung beunruhigt: Die Verwundbarkeit unserer Infrastruktur wird immer deutlicher. Ähnliche Vorfälle häuften sich zuletzt in Deutschland. Erst im vergangenen Jahr wurden Kabelschächte der Deutschen Bahn an mehreren Orten sabotiert, damals stand der G7-Gipfel bevor.
Für die Hauptstadt bedeutet dieser Vorfall eine ernste Warnung. Die Frage ist nicht mehr, ob weitere Angriffe folgen könnten, sondern wie wir unsere lebenswichtigen Systeme besser schützen. In Hamburg wurden nach ähnlichen Vorfällen bereits Überwachungskameras an neuralgischen Punkten installiert. Reicht das? Die Debatte hat gerade erst begonnen.