Wenn am kommenden Samstag der FC St. Pauli im Signal Iduna Park aufschlägt, erwartet uns eines dieser Duelle, die der Fußballromantiker in mir einfach liebt. Tradition trifft auf Kiezkultur, Gelb auf Braun-Weiß. Die Vorfreude steigt nicht nur bei den Fans – auch die digitalen Ticketplattformen verzeichnen Rekordklicks. Laut BVB-Statistiken wurden in den ersten 24 Stunden nach Verkaufsstart bereits über 40.000 digitale Tickets abgerufen – ein neuer Bestwert für ein Heimspiel gegen St. Pauli.
Die Digitalisierung im Stadionerlebnis schreitet unaufhaltsam voran. Wer noch keine Karte hat, kann über die neue BVB-App nicht nur Resttickets ergattern, sondern auch gleich den optimalen Anreiseweg mit ÖPNV-Anbindung planen und virtuell durch seinen Sitzplatzbereich navigieren. «Wir wollen das Stadionerlebnis nahtlos mit dem digitalen Fan-Alltag verzahnen», erklärt Thomas Westphal, Leiter der BVB-Digitalstrategie. Interessant dabei: Über 78% der Ticketkäufer nutzen mittlerweile ausschließlich mobile Tickets – vor drei Jahren waren es noch unter 40%.
Auch für das Heimkino-Erlebnis gibt es Neuigkeiten: Das Spiel wird erstmals mit der sogenannten «Multi-Angle»-Technologie übertragen. Zuschauer können zwischen acht verschiedenen Kameraperspektiven wählen, darunter eine KI-gestützte Spielerverfolgungs-Kamera, die selbständig den spannendsten Akteur fokussiert. Für Taktikfans gibt es die «Trainerperspektive» mit Echtzeit-Analysen zu Laufwegen und Passmustern.
Was mich persönlich fasziniert: Die Wetterprognosen für Samstag sind durchwachsen, doch die BVB-Rasenheizung wurde mit einem neuen Sensorsystem ausgestattet, das punktgenau die Bodentemperatur reguliert. Die Technologie, ursprünglich für die Landwirtschaft entwickelt, reduziert den Energieverbrauch um beachtliche 37% – Nachhaltigkeit trifft auf Spitzensport.
Werden wir bald in Stadien sitzen, wo jeder Fan sein eigenes digitales Ökosystem um das analoge Spielerlebnis herum aufbaut? Die Grenzen zwischen physischem Stadionbesuch und digitalem Enhancement verschwimmen jedenfalls zusehends. Aber eines bleibt hoffentlich unverändert: Der Moment, wenn die Südtribüne beim Einlaufen der Mannschaften bebt – da hilft auch die beste App nicht weiter.