Das digitale Fieber hat nun auch die Saisonvorbereitung der Bundesligisten erfasst. Während die Fußball-EM noch in unseren Köpfen nachhängt, bereitet sich Borussia Dortmund bereits akribisch auf die kommende Saison vor. 27 Profis hat der neue Trainer Nuri Şahin ins Trainingslager nach Bad Ragaz in die Schweiz mitgenommen – doch zwei bekannte Gesichter fehlen auf der digitalen Kaderliste, die der Verein gestern veröffentlichte.
Besonders auffällig: Die Technologie spielt im modernen Trainingslager eine immer größere Rolle. «Die Datenerfassung während der Trainingseinheiten hat sich in den letzten drei Jahren revolutioniert», erklärt BVB-Athletiktrainer Andreas Beck. «Jeder Spieler trägt Tracking-Devices, die uns in Echtzeit über 200 Leistungsparameter liefern – von der Laufintensität bis zur kognitiven Reaktionsgeschwindigkeit.» Die Spieler selbst bekommen ihre Werte direkt aufs Smartphone und können ihre Performance mit früheren Einheiten vergleichen. Eine App-basierte Kommunikation hat zudem die traditionellen Aushänge im Teamhotel fast vollständig ersetzt.
Nicht mit dabei sind Julien Duranville und Felix Nmecha – beide fallen verletzungsbedingt aus. Während ihre Teamkollegen schwitzen, folgen sie individualisierten Reha-Programmen, die mittlerweile ebenfalls hochdigitalisiert sind. Ihr Fortschritt wird täglich über eine Cloud-Plattform mit dem Trainerteam synchronisiert.
Die digitale Transformation im Profifußball schreitet unaufhaltsam voran. Was früher mit Stoppuhr und Notizblock erfasst wurde, übernehmen heute KI-gestützte Analysesysteme. Doch bei aller Technologie bleibt eine Frage: Wie viel Datenanalyse verträgt der Fußball, bevor der menschliche Instinkt auf der Strecke bleibt? Vielleicht ist es genau diese Balance, die Şahin in seinem ersten Trainingslager als Cheftrainer finden muss.