In Kamp-Lintfort trafen sich gestern beim traditionellen «Katerfrühstück» der CDU über 130 Bürgerinnen und Bürger, um gemeinsam den Aschermittwoch zu begehen. Die Veranstaltung im gut gefüllten Schirrhof verband karnevalistische Leichtigkeit mit politischer Diskussion – ein Format, das seit Jahren Erfolg hat. Gastgeber Bernhard Krebs begrüßte neben Lokalpolitikern auch Charlotte Quik, die Landtagsabgeordnete aus Wesel.
«Die Politik muss wieder näher an die Menschen», betonte Quik in ihrer Rede. Während die Gäste bei Heringsstipp und Kaffee zusammensaßen, sprach sie aktuelle Herausforderungen an: vom Strukturwandel im Ruhrgebiet bis zur Landwirtschaftspolitik. Die Stimmung im Saal schwankte zwischen nachdenklichem Nicken und herzhaftem Lachen, als Krebs mit rheinischem Humor die bundespolitische Lage kommentierte.
Besonders die lokalen Themen bewegten die Gemüter. «Unsere Stadt braucht mehr Unterstützung beim Ausbau der Kinderbetreuung», sagte Maria Wehlings, eine Erzieherin aus Kamp-Lintfort. Dass nach dem Karneval der politische Aschermittwoch folgt, hat Tradition – doch hier am Niederrhein geht es deutlich gemäßigter zu als bei den polternden Reden in Bayern.
Was mir auffällt: Die Menschen suchen das persönliche Gespräch. In meinen fast zwanzig Jahren als Journalistin habe ich selten so viele Bürger erlebt, die direkten Austausch mit ihren Vertretern wünschen. «Wir wollen nicht nur alle vier Jahre ein Kreuz machen», hörte ich mehrfach.
Die CDU Kamp-Lintfort wertet das Format als Erfolg. Ob solche Veranstaltungen die viel beklagte Politikverdrossenheit lindern können? Ein Anfang ist es sicher. Denn zwischen Heringsbrötchen und Altbier entstehen Gespräche, die im formellen Rahmen kaum möglich wären. Vielleicht liegt genau hier die Zukunft politischer Kommunikation: nicht im digitalen Raum, sondern am gemeinsamen Tisch.