Der Vorstoß der Dortmunder CDU, die «Teilzeit-Mentalität» in der Stadtverwaltung zu reduzieren, sorgt für heftige Diskussionen in der Ruhrgebietsmetropole. Mit dem Ziel, den Personalmangel zu bekämpfen, fordert die Partei, dass städtische Mitarbeiter ihre Arbeitszeit aufstocken. Bei meinem Gang durch die Stadt spüre ich: Das Thema bewegt die Menschen.
«Wir haben einen eklatanten Fachkräftemangel. Es wäre sinnvoll, wenn wir Teilzeitkräfte motivieren könnten, ihre Stundenzahl zu erhöhen», erklärt CDU-Fraktionschef Uwe Waßmann gegenüber unserer Redaktion. Die Zahlen geben ihm Recht: Etwa 40 Prozent der städtischen Beschäftigten arbeiten aktuell in Teilzeit.
Doch in der Wirtschaft stößt dieser Vorstoß auf gemischte Reaktionen. Bei großen Dortmunder Arbeitgebern wie DSW21 oder DEW21 liegt die Teilzeitquote deutlich niedriger – zwischen 17 und 20 Prozent. Signal Iduna berichtet sogar von einer sinkenden Teilzeitquote seit Corona.
«Die Diskussion greift zu kurz», meint Personalexperte Thomas Müller vom Dortmunder Wirtschaftsinstitut. «Es geht nicht um Mentalität, sondern um praktische Lebensrealitäten.» Er verweist auf fehlende Kinderbetreuungsangebote und die Pflege von Angehörigen.
Als ich durch die Dortmunder Innenstadt laufe, spreche ich mit Betroffenen. Eine städtische Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte, sagt: «Ich würde gerne mehr arbeiten, aber ohne verlässliche Kita-Plätze ist das unmöglich.»
Die Debatte zeigt einmal mehr die Kluft zwischen politischen Forderungen und dem echten Leben. Vor allem für Frauen, die nach wie vor den Großteil der Sorgearbeit leisten, ist Teilzeit oft keine Lifestyle-Entscheidung – sondern schlichte Notwendigkeit. Was wir brauchen, sind keine Appelle an die Arbeitsmentalität, sondern bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.