Seit diesem Wochenende können Dresdner und Besucher im Kraszewski-Museum einen tiefen Blick in eines der umstrittensten TV-Projekte der DDR werfen. Die Ausstellung «Sachsens Glanz und Preußens Gloria – Ein Fernsehklassiker wird 40» beleuchtet die legendäre Fernsehserie, die erstmals 1985 über die ostdeutschen Bildschirme flimmerte und bis heute polarisiert.
Mit über acht Millionen Mark Produktionskosten war das Historiendrama damals die teuerste Fernsehproduktion der DDR-Geschichte. «Die Serie sollte das kulturelle Erbe Sachsens hervorheben und gleichzeitig den preußischen Militarismus kritisieren», erklärt Museumsleiterin Joanna Magacz. An originalen Kostümen, Requisiten und bisher unveröffentlichten Drehbuchentwürfen können Besucher nun nachvollziehen, wie die Geschichte um August den Starken und Friedrich Wilhelm I. inszeniert wurde.
Besonders eindrucksvoll sind die Originalentwürfe der prunkvollen Barockgewänder, die dem Sechsteiler seine visuelle Strahlkraft verliehen. Zeitzeuge Hans Teuscher, der in der Serie den sächsischen Minister von Flemming verkörperte, erinnert sich: «Wir haben in echten Schlössern gedreht, mit echten Kunstschätzen im Hintergrund. Manchmal war die Angst größer als die Spielfreude.»
Die Schau thematisiert auch die politische Dimension. Die Serie, die den sächsischen Prunk feierte und Preußen kritisch darstellte, wurde von der SED-Führung zunächst skeptisch beäugt, dann aber als kulturpolitisches Prestigeprojekt gefördert. «Der Dreh in Schloss Moritzburg war für mich als Dresdnerin ein besonderer Moment», erzähle ich einer Besucherin, die nach meinen persönlichen Erinnerungen fragt. Damals hatte ich als junge Journalistin die Dreharbeiten beobachtet.
Die Ausstellung läuft bis Januar 2025 und wird durch ein umfangreiches Begleitprogramm mit Filmvorführungen und Diskussionsrunden ergänzt. Was bleibt, ist die Frage: War «Sachsens Glanz» nun Propagandastück oder filmisches Meisterwerk? Vielleicht ist genau diese Ambivalenz der Grund für die anhaltende Faszination.