Die Führungsspitze des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Essen steht vor einem bedeutenden Generationswechsel. Der 35-jährige Dieter Hillebrand soll am 13. April zum neuen DGB-Vorsitzenden gewählt werden. Er würde damit die Nachfolge von Angelika Schwarz antreten, die nach zwölf Jahren an der Spitze in den Ruhestand geht.
«Die Herausforderungen werden nicht kleiner», sagt Hillebrand mit Blick auf seine neue Aufgabe. Als zentrale Themen für die Zukunft nennt er den Fachkräftemangel und die sozialen Folgen der Klimakrise. Beides betreffe Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Essen unmittelbar.
Dieter Hillebrand ist kein Unbekannter in der Gewerkschaftsszene. Seit 2019 arbeitet der gelernte Industriemechaniker als Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall in Essen. «Mir liegt besonders am Herzen, dass wir als Gewerkschaft die jüngere Generation besser erreichen«, betont er im Gespräch. Nur mit starken Mitgliederzahlen könne man auch in Zukunft wirkungsvoll für Arbeitnehmerrechte kämpfen.
Die scheidende DGB-Chefin Schwarz blickt mit gemischten Gefühlen auf ihre Amtszeit zurück: «Wir haben viel erreicht, aber die Corona-Pandemie hat uns vor völlig neue Herausforderungen gestellt.» Gerade in Essen, wo viele Arbeitnehmer in besonders betroffenen Branchen wie Einzelhandel und Gastronomie beschäftigt sind, habe man intensive Beratungsarbeit geleistet.
Ich habe Hillebrand bei einer Betriebsversammlung in Essen-Borbeck erlebt. Was auffällt: Er spricht die Sprache der Beschäftigten, verzichtet auf Gewerkschaftsjargon und kommt direkt auf den Punkt. Genau diese Bodenständigkeit könnte dem DGB helfen, auch jüngere Zielgruppen zu erreichen.
Die Wahl findet im Rahmen der DGB-Kreiskonferenz statt. Mit rund 42.000 Mitgliedern vertritt der DGB in Essen eine bedeutende Arbeitnehmerschaft. Werden die Gewerkschaften unter jüngerer Führung wieder mehr Zulauf erhalten? Das bleibt die spannende Frage für die kommenden Jahre.