Gestern versammelten sich in Dresden über 8.000 Menschen zu einer friedlichen Gegendemonstration gegen einen rechtsextremen Aufmarsch. Die Rechtsextremen wollten, wie jedes Jahr am 13. Februar, den Jahrestag der Bombardierung Dresdens 1945 für ihre geschichtsrevisionistische Propaganda nutzen. Nach Polizeiangaben beteiligten sich jedoch nur etwa 250 Personen an diesem Aufmarsch – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu früheren Jahren.
Der breite Gegenprotest wurde von einem Bündnis aus über 40 zivilgesellschaftlichen Organisationen, Kirchen und demokratischen Parteien getragen. «Dresden steht zusammen gegen Geschichtsverdrehung und Menschenfeindlichkeit», erklärte Oberbürgermeisterin Karola Schmidt bei ihrer Ansprache auf dem Altmarkt. «Wir lassen nicht zu, dass das Gedenken an die Opfer des Krieges für nationalistische Zwecke missbraucht wird.»
Besonders beeindruckend war die Menschenkette rund um die Altstadt, an der sich mehr als 4.000 Dresdnerinnen und Dresdner beteiligten. Viele hielten Kerzen und selbstgemachte Plakate mit Friedensbotschaften. Die Polizei trennte beide Demonstrationszüge durch einen erheblichen Sicherheitsabstand.
Als ich vor fünfzehn Jahren erstmals über die Februar-Demonstrationen in Dresden berichtete, dominierten noch die Bilder der Rechtsextremen die Berichterstattung. Die Veränderung ist deutlich spürbar: Heute steht Dresden für bürgerschaftliches Engagement gegen Rechtsextremismus.
«Die rechte Szene hat in Dresden keinen Rückhalt mehr», betont der Dresdner Historiker Prof. Matthias Neubert. «Die intensive Aufklärungsarbeit und das konsequente zivilgesellschaftliche Engagement haben Wirkung gezeigt.»
Die Entwicklung in Dresden könnte beispielhaft für andere Städte sein. Während die Zahl rechtsextremer Aufmärsche bundesweit wieder zunimmt, zeigt sich hier, wie entschlossenes bürgerliches Engagement extrem rechte Strukturen zurückdrängen kann. Die Frage bleibt: Gelingt diese zivilgesellschaftliche Mobilisierung auch langfristig und in weniger symbolträchtigen Kontexten als dem Gedenken an die Bombardierung?