Mitten im vorweihnachtlichen Trubel feiert Dresden am kommenden Samstag ein besonderes Jubiläum: Zum 30. Mal zieht der tonnenschwere Riesenstollen durch die historische Altstadt. Mehr als 500 Bäcker, Konditoren und Helfer in historischen Kostümen werden den etwa 4 Tonnen schweren «Striezel» von der Frauenkirche zum Striezelmarkt transportieren. Rund 80.000 Besucher werden erwartet – doppelt so viele wie an normalen Adventswochenenden.
Der XXL-Stollen ist nicht nur ein Publikumsmagnet, sondern verkörpert eine jahrhundertealte Tradition. «Stollen ist für Dresden mehr als nur ein Gebäck – er ist ein Stück Identität», erklärt Andreas Wippler, Vorsitzender des Schutzverbandes Dresdner Stollen. Seit 1994 findet das Fest in seiner heutigen Form statt, die Stollengeschichte reicht jedoch bis ins 15. Jahrhundert zurück.
Nach Ankunft am Striezelmarkt wird der Riesenstollen vom sogenannten «Stollenmädchen» mit einem zwei Meter langen Messer angeschnitten. Die etwa 500-Gramm-Portionen werden für den guten Zweck verkauft. «Jedes Jahr kommen so rund 40.000 Euro für soziale Projekte zusammen», berichtet Bäckermeister René Krause, der seit 18 Jahren beim Festumzug dabei ist.
Der diesjährige Jubiläumsumzug wartet mit einigen Besonderheiten auf. Erstmals werden historische Figuren den Zug begleiten, die die lange Geschichte des Dresdner Christstollens darstellen. Als ich vor Jahren zum ersten Mal über das Fest berichtete, waren es noch weniger als 50.000 Besucher – die Popularität hat enorm zugenommen.
Die Vorbereitung des Riesenstollens beginnt bereits Wochen vorher. Alle 120 Mitgliedsbetriebe des Schutzverbands backen nach streng kontrolliertem Rezept ihre Teilstücke, die dann zusammengefügt werden. «Die Qualität muss stimmen – beim kleinsten wie beim größten Stollen», betont Wippler. Für viele Dresdner bleibt aber die Frage: Ist größer auch besser? Das Stollenfest jedenfalls ist längst mehr als nur eine touristische Attraktion – es ist ein lebendiges Stück sächsischer Tradition, das Jung und Alt verbindet.