In Düsseldorfs Altstadt haben die «Närrischen Marktfrauen» gestern den Start der heißen Karnevalsphase mit ihrem traditionellen Biwak gefeiert. Bei nur drei Grad führten 45 kostümierte Frauen ihren charakteristischen Tanz auf dem Marktplatz vor. Rund 800 Zuschauer verfolgten das farbenfrohe Spektakel, das den Auftakt zur Straßenkarnevalssaison markiert, die bis zum Rosenmontag am 24. Februar dauert.
Die «Närrischen Marktfrauen» gehören seit 1929 zu den bekanntesten Traditionsvereinen der Düsseldorfer Karnevalslandschaft. Mit ihren bunten Röcken, Schürzen und Kopftüchern erinnern sie an die historischen Marktverkäuferinnen der Stadt. «Wir tanzen uns einfach warm, das hat schon unsere Gründerinnen durch eisige Winter gebracht», erklärt Vereinspräsidentin Petra Klausen lachend zwischen zwei Tanzeinlagen.
Besonders stolz ist der Verein auf seinen Nachwuchs. In diesem Jahr sind sieben neue Mitglieder zwischen 19 und 24 Jahren dabei. «Das Interesse der jungen Generation am Brauchtum wächst wieder», freut sich Klausen. «Die Mädels bringen frischen Wind und neue Ideen mit.»
In Hamburg, wo ich lange als Journalistin gearbeitet habe, fehlt diese lebendige Karnevalstradition. Was mich bei den «Marktfrauen» beeindruckt: Die Gemeinschaft verbindet Menschen verschiedener Generationen und sozialer Hintergründe. Beim Biwak sah ich Bankdirektorinnen neben Verkäuferinnen tanzen – der Karneval als sozialer Gleichmacher.
Oberbürgermeister Daniel Schmidt, der die Veranstaltung eröffnete, betonte die Bedeutung der Karnevalstradition für die Stadtidentität: «Der Karneval ist ein Stück Heimat und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.» Bis zum Rosenmontag werden rund 1,5 Millionen Besucher erwartet, die etwa 40 Millionen Euro in die Stadt bringen.
Während die Marktfrauen zum Finale «Düsseldorf ist schön, trallalala» anstimmten, fragte ich mich, ob diese Traditionen auch in 50 Jahren noch mit solcher Begeisterung gelebt werden. Die jungen Gesichter unter den Kopftüchern geben zumindest Anlass zur Hoffnung.