Die Einsamkeit in Deutschland wächst – und damit die Forderung nach einer nationalen Strategie dagegen. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund schlägt Alarm und fordert jetzt einen 500-Millionen-Euro-Fonds vom Bund. «Mehr als jeder dritte Erwachsene fühlt sich einsam», sagt Verbands-Hauptgeschäftsführer André Berghegger. Eine besorgniserregende Entwicklung, die alle Altersgruppen betrifft.
Die Zahlen sind alarmierend. Laut einer Studie der Krankenkasse DAK fühlen sich 15 Prozent der Deutschen «häufig oder sehr häufig» einsam. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 24 Prozent. Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind gravierend: Chronische Einsamkeit erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen.
«Einsamkeit macht krank«, bestätigt die Hamburger Psychologin Dr. Sabine Weber, die seit 15 Jahren zum Thema forscht. «Wir sehen einen direkten Zusammenhang zwischen sozialer Isolation und verkürzter Lebenserwartung.»
In meiner Heimatstadt Hamburg entstehen bereits erste kommunale Initiativen. Die «Hamburger Wege gegen Einsamkeit» bieten Begegnungscafés und Telefonpatenschaften an. Doch die finanziellen Mittel sind knapp. Bei meinem letzten Besuch eines solchen Nachbarschaftstreffs im Stadtteil Barmbek konnte ich spüren, wie wichtig diese Anlaufstellen sind. «Ohne diesen Ort würde ich manchmal tagelang mit niemandem sprechen», erzählte mir die 72-jährige Helga Müller.
Der Gemeindebund schlägt nun konkrete Maßnahmen vor: Ausbau von Begegnungsorten, Förderung von Nachbarschaftsinitiativen und digitale Plattformen zum Kontakteknüpfen. In Baden-Württemberg läuft bereits ein Modellprojekt mit «Einsamkeitslotsen» in fünf Kommunen.
Wie dringend das Thema ist, zeigt sich auch daran, dass Großbritannien seit 2018 ein eigenes Ministerium gegen Einsamkeit hat. In Deutschland steht die politische Antwort noch aus. Dabei wäre sie dringend nötig – denn Einsamkeit ist längst keine Privatangelegenheit mehr, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.